20. März 2014

Eine Woche auf dem Hippieboot

Kia Ora, Freunde des subjektiven Erlebnisberichts! Wir sind mittlerweile schon im Zentrum der Nordinsel, und es wird Zeit von der letzten Woche zu berichten.

Tom auf dem Weg zu seiner "Four Winds" (im Vordergrund)
Wir waren auf einem Boot. Joa, das war es eigentlich auch schon. Viel getan haben wir nicht und das war auch ganz gut so. Nach mehreren Wochen „on the road“ wird man einfach ein wenig reisemüde und wenn man dann an einen schönen Ort kommt fällt es nicht schwer, dort ein paar Tage zu versacken. Takaka war so ein Ort. Nirgendwo sonst in Neuseeland findet man eine dermaßen hohe Dichte an Dreadlocks, bunten Klamotten und Marijuanageruch auf den Straßen. Hier kann sich der bunt bemalte alternative Lebenskünstler energiegeladene Schokolade aus den selbstgemachten Hanfbeuteln zaubern. Takaka ist das Hippiezentrum. Aber wenn man all die Klischees mal zur Seite schiebt ist es einfach ein angenehm entspannter Ort mit der richtigen Atmosphäre, um mal ein paar Tage auszuspannen. Wir trafen zunächst Tom in seinem Farmhaus in Motueka. Ich hatte ihn ja damals von Carnarvon nach Perth mitgenommen und seitdem vor, ihn hier zu besuchen. Er teilt sich die Wohnung mit einem sehr entspannten Maori und zwei anderen recht seltsamen Typen. Es war ein ausgelassener Abend und die Truppe wurde immer größer. Irgendwie dauerte es an diesem Abend ungewöhnlich lange, das Zelt im Garten aufzubauen.

Thomas + Thomas
Am nächsten Morgen fuhren wir mit Tom schließlich zu seinem Hausboot, was bei Takaka an der Straße in den berühmten Abel Tasman Nationalpark liegt. Hier traf ich auch meinen Freund Thomas aus Carnarvon wieder, der hier mit seiner Schwester Simone auch schon ein paar Tage versackt ist. Mit an Board war außerdem noch ein junger Alaskaner (?) namens Mat. Wir schmissen das Nötigste in das kleine bunte Beiboot, was jedoch keinen wirklich vertrauenswürdigen Eindruck machte und fuhren direkt wieder in die Stadt. Für den Abend war eine Party geplant. Mehr wussten wir auch nicht. Was wir schließlich vorfanden war eher Festival als Party. Sie war ein wenig wie der Doof in Melbourne, nur mit Livemusik und deutlich mehr Menschen aller Altersgruppen. Man musste einem unscheinbaren, mit Kerzen markierten Pfad in den Wald folgen. Überall war bunte Dekoration, blinkende Lichter und interessant gekleidete Menschen. Sogar der Weihnachtsmann war dort. An einem großen Lagerfeuer wurde getrommelt, während wir ein paar Meter weiter in einem kleinen Zirkuszelt einen Chai-Tee nach dem Anderen schlürften. Die lokale Band war eine angetrunkene Mischung aus Muse und System mit selbstgebastelten Helmen aus Aluminiumfolie auf dem Kopf. Takaka eben. Später gab es dann noch harten Elektro bis tief in die Nacht. Und Chai-Tee natürlich. Eine tolle Atmosphäre!

Feuer, Trommeln, Chaitee: Ein Hippiefest bei Takaka
Leicht verkatert ging es am nächsten Tag wieder zu Toms Boot, der „Four Winds“. Der Zweimaster ist etwa 11m hoch und bietet genug Platz für einen gemütlichen Sitzbereich mit Holzofen, eine kleine Miniküche und zwei Kabinen. Es ankert im äußeren Hafenbecken in der idyllischen Wainuibucht und kann nur auf dem Wasserweg erreicht werden. Jeden Tag um 2 Uhr füttert der Besitzer vom Kaffeeboot die Mantarochen, die oft direkt neben uns am Steg entlang geschwommen sind. Ab und zu sieht man auch andere Meerestiere, die wahrscheinlich von den Fischerbooten abgeworfen werden.

Der Kollege hier schwamm Freistil
Tom ist gerade dabei das Boot zu renovieren und hatte es seit 8 Monaten nicht mehr in Betrieb. Wir versuchten daher erfolglos, den Motor zu starten. Thomas und ich besorgten schließlich die Autobatterien aus Schlodder und ihrem Leihwagen. Eine der beiden Batterien war sogar dicht und hat mir keine Löcher in die Hose geätzt. Wir bekamen den alten Kahn leider nicht zum Laufen, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Tom, Vincent und Mat fuhren schließlich mit dem Beiboot zum Angeln hinaus. Das war leider nicht so erfolgreich wie das Angeln direkt am Boot: Abends hatten wir doch tatsächlich einen kleinen Hai am Haken. Ich hielt das Minimonster mit einem Handtuch fest, während Vincent den Haken löste. An einem anderen Tag hatten wir plötzlich einen Stingray an der Leine. Das Teil gab der Angel den Rest.


So verbrachten wir noch ein paar gemütliche Tage auf dem Hausboot. Nach und nach reisten Mat, Thomas und Simone ab und Vincent und Ich hatten das Boot für uns alleine. Tagsüber wurde geangelt, gelesen oder einfach nur draußen in der Hängematte abgeschimmelt. Die Abende wurden dann mit Kochen, seeehr entspanntem Karten Spielen und Serien schauen verbracht. Oftmals verließen wir das Schiff nur ein mal täglich für den Toilet-Run und einen schnellen Supermarktbesuch. So ein Schiffsrumpf ist einfach extrem gemütlich. Und durch das permanente Schwanken fühlt man sich irgendwie dauerhaft betrunken. Super.

Am vorletzten Abend gab es noch einen genialen Sonnenuntergang: Das ganze Meer leuchtete

Ausnahmsweise kein Stein
Es dauerte geschlagene fünf Tage bis wir uns dazu aufraffen konnten, den „Farewell Spit“ zu besuchen. Die äußerste Nordspitze der Südinsel in Form einer Sense lockt mit tollen Stränden und Seehundkolonien. Ich fand einen kleinen Höhleneingang und wir wagten uns mutig hinein. Es wurde so dunkel, dass man kaum noch etwas sehen konnte als plötzlich ein bedrohliches Grummeln vor uns hören. Es klang wie ein Bär aber war wahrscheinlich „nur“ ein ausgewachsener Seelöwe – wir sind jedenfalls deutlich schneller hinaus als hinein gegangen. Die Landschaft am Farewell Spit ist wirklich wunderschön. Vor allem die kleinen Babyrobben sind total putzig. Es war mein bisher schönster Ort in Neuseeland. Abspülen ging an dem Abend jedoch auf mich, da ich ein paar Steine mit Robben verwechselt habe. Scheiß Wetten.

Wharariki Beach please!
Ein Robbenbaby schwimmt in Richtung Ozean. Süüüüß!
 
Irgendwann kam der Zeitpunkt, dass wir das Boot verlassen mussten. Sonst kommen wir ja nie hier weg! Es war dann aber auch schon 4 Uhr Nachmittags, als wir endlich im Auto saßen. Auf in den Abel Tasman NP! Seit einer Woche stehen wir direkt neben dem wohl berühmtesten Nationalpark Neuseelands und waren nicht einmal dort. Normalerweise gelangt man aus südlicher Richtung dorthin, doch es gab auch eine Schotterstraße von Norden. Die Strecke war wirklich nichts für schwache Nerven (ich hatte meinen Spaß) und wir waren pünktlich zum Sonnenuntergang in Totaranui. Am Strand wussten wir dann, warum der Park so beliebt ist: Ein absolutes Paradies. Wir gönnten uns einen Kälteschock im Ozean und gingen wieder zum Auto, da wir zum nahen Campingplatz fahren wollten. Wir wollten, aber Schlodder wollte nicht. Der Funkschlüssel hat irgendeine Macke, sodass manchmal anstatt einem Motorengeräusch nur eine extrem laute und in seinen Geräuschen variierende Alarmsirene zu hören ist. Erst als wir die Funkbatterie mit einem Feuerzeug erhitzt haben ging der Wagen an. Mittlerweile habe ich ein altes Tshirt in die Hupe gestopft, um den Lärm zu minimieren. Zwei Stunden und so einige genervte Touristen später mussten wir uns dann entscheiden: Hier bei unzähligen Sandfliegen 30 Dollar für einen Zeltplatz bezahlen oder lieber doch noch eine Nacht aufs Boot? Hmm...
Totaranui Bay im Abel Tasman NP

Nach einer Runde Hackisack bei Tom machten wir uns schließlich auf den Weg in Richtung Autofähre nach Picton. Natürlich nicht, ohne vorher noch bei Burger King vorbei zu fahren und einen Salat zu essen. Ja, die machen auch tollen Salat! Mit Fleisch und Brot drumrum. Auf Empfehlung von Thomas nisteten wir uns für eine Nacht in der Sequoia Lodge in Picton ein, wo es jeden Abend um 6 unschlagbaren selbstgemachten Schokopudding aufs Haus gibt. Gut gefüllt genossen wir unseren letzten Abend auf der Südinsel und nahmen am nächsten Tag die Autofähre nach Wellington.

Bis zum nächsten ganz bestimmt recht baldigen Mal,
Flo

Cheers und Tschüss!

12. März 2014

Déjà-vu im Fjordland

 
Die Straße nach Te Anau
Es dämmerte bereits, als Vincent und ich in Te Anau ankamen. Die Straße dorthin war malerisch schön. Wir buchten uns in einen Campingplatz ein und bauten zum ersten mal das Zelt auf, was im Auto mit dabei war. Die Regenplane an der Spitze war nicht mehr da, aber dafür hat man ja ein Handtuch. Am nächsten Morgen stand unsere Wanderung auf dem Plan. Wir wollten den Kepler Track bewältigen, einen der neun „Great Walks“ Neuseelands. Für den 60 Kilometer langen Weg hatten wir bereits zwei Übernachtungen in den Berghütten gebucht – die Erste der eigentlich 3 Hütten hatten wir übersprungen, da sie ausgebucht war und man auch stolze 60 Dollar pro Nacht bezahlt. Demnach war unsere erste Etappe mit etwa 8 Stunden Laufzeit nicht zu knapp bemessen. Aber das ist natürlich kein Grund sich den Wecker zu stellen oder gar Tickets und Pläne schon am Vortag zu besorgen! Als wir die Hängebrücke zum Startpunkt der Wanderung erreichten war es bereits 14 Uhr.

Hier war die Welt noch in Ordnung / trocken
Gut, dass ich seit Monaten meine dicken Wanderschuhe mit mir herum geschleppt habe. Nach 20 Minuten ziehe ich sie aus und laufe in Flip Flops weiter – an zwei Stellen waren meine Füße bereits offen. Offenbar haben die Schuhe meine Arbeit auf der Manberry Station in Australien nicht überlebt. Auch stellten wir recht schnell fest, dass unsere Vorbereitungen nicht wirklich optimal waren: Es wäre viel klüger gewesen, Vincents großen Rucksack zu nehmen uns sich mit dem Tragen abzuwechseln. Egal, zu spät! Vincent half mir netterweise mit dem Tragen der Schuhe und meines Schlafsackes, der nicht mehr in den Rucksack gepasst hat. Wir hatten etwa zwei Drittel der Strecke hinter uns, als es zu regnen begann. Ui, wie erfrischend! Leider sollte es nicht mehr aufhören zu regnen und wir froren uns den Arsch ab. Vincents Jacke hielt dicht, doch ich war nass bis auf den Keidel. Auch mein Schlafsack hatte sich mit Wasser vollgesogen. Wie sehr wir dieser verfluchten Hütte entgegen gefiebert haben! Irgendwann kamen wir dann aber an und machten erst mal eine Inventur: Unsere letzten trockenen Sachen beliefen sich auf ein Tshirt von Vincent und zwei Boxershorts von mir. Wir teilten brüderlich („Du kriegst die olle Fletsch!“) und liehen uns noch Klamotten von anderen Wanderern. Der Hüttenweirdo Ranger hatte nicht schlecht geschaut, als ich ihm meine Flip Flops zeigte. Das ganze Unterfangen erinnerte mich ein wenig an meine Dschungeltour in Laos – In Flip Flops bis zur Ohnmacht. Leider sollte der Ofen am Abend ausbleiben.


Nachts wurde es dann, man könnte sagen, ein klein wenig frisch. Es war die kälteste Nacht meines Lebens. Der kalte Wind, der durch die Hütte zog machte auch vor meinem nassen 20-Dollar-Schlafsack keinen halt. Irgendwann hatte ich Muskelkontraktionen am ganzen Körper und beschloss in die Küche zu gehen, um mich irgendwie über ein Herdfeuer zu beugen. Dort traf ich dann den Ranger, der zufällig wach geworden war. Er schaute mich zunächst an wie ein Gespenst, drehte um und kam mit einer Kiste Feuerholz, warmen Klamotten und einem Kakao wieder. Der Mann, so komisch er auch sein mag, liebt seinen Job und ist wirklich super nett. Ich hatte sogar ein wenig Glück im Unglück: Unweit der Hütte waren offenbar ein paar der äußerst seltenen Kiwivögel und wir konnten sie lauthals singen hören. Nachts dick eingepackt am Ofen einer Alpenhütte den Kiwis beim Singen zuhören – eine tolle Atmosphäre.

"Regenwald" mal anders

Kaka, du!
Am nächsten Morgen war ich schließlich übermüdet und ordentlich erkältet. Auch der Wetterbericht mochte uns nicht: Schneestürme und eine Schneefallgrenze von 1000m waren vorausgesagt. Die nächste Etappe sollte auf dem Berggrat entlang bis auf 1500m gehen, und auf dem Weg dorthin stand Regen auf dem Programm. Flip Flops hin oder her, dafür waren wir beide nicht ausgerüstet. Wir verbrachten also einen weiteren Tag auf der „Irisfall Hut“ mit dem Besorgen von Feuerholz, einer kleinen Wanderung zu einem nahen Wasserfall und wir spielten Gin Rommé um Gummibärchen Genussbärchen. Leicht enttäuscht liefen wir dann am dritten Tag die gesamte Strecke wieder zurück. Schade! Immerhin hatten wir noch unseren Spaß auf einem uralten, abgesperrten Teilstück des Weges und wir sahen einen seltenen Kaka-Vogel, wer auch immer den so genannt hat. Falls einer von euch jemals den Kepler Track läuft und den „Big Slip“ erreicht, wo 1984 ein gewaltiger Erdrutsch das Landschaftsbild verändert hat: Lieben Gruß an meine Schuhe!

Und Tschüss!
Gegen Ende der Wanderung zog es schon ordentlich in meinen Füßen – die Flip Flops waren mal wieder so am Ende, dass mein linker Fußballen schon auf dem Boden lief. Da ist vielleicht mal ein neues Paar fällig! Auch die Sand Flies machten uns im Wald ordentlich zu schaffen – an Pausen war nicht zu denken. Diese Viecher sind wirklich die niederträchtigsten Lebewesen überhaupt. Lautlos, kaum größer als Fruchtfliegen und zu jeder Zeit zahlreich vorhanden. Stiche bleiben etwa 2 Wochen, jucken wie die Pest und entzünden sich auch gerne. Nein, ich weiß nicht wie die Pest juckt aber so stelle ich es mir vor. Sandfliegen sind wohl der eine negative Aspekt, der jedem Reisenden aus Neuseeland in Erinnerung bleiben wird. Dementsprechend erleichtert erreichten wir unser Auto und stellten erfreut fest, dass nicht eingebrochen worden ist. Schlodder ist nun mal verlässlich! Ok, wenn es danach geht besitzen wir wohl das verlässlichste Auto Neuseelands.
 
Unser nächstes Ziel war der berühmte Milford Sound, der etwa eine Fahrtstunde nördlich von Te Anau gelegen ist. Die Straße dorthin war einfach der Hammer:

Nach einem Tunnel tat sich dieses gewaltige Tal auf

Auch der Milford Sound an sich ist touristisch, aber wirklich beeindruckend. Wir hatten eine Fährfahrt bis ans Meer für je 49 Dollar ergattern können. Die meisten Reisenden kommen mit einem Shuttle aus Queenstown und zahlen etwa 180 Dollar für eine kürzere Fahrt. Im Milford Sound regnet es an 300 Tagen jährlich, manche der Täler dort kriegen 14 Meter Niederschlag pro Jahr. Gewaltige Gletscher hatten die Landschaft einst so geformt. Die magische Atmosphäre an diesem Ort ist schwer zu beschreiben und auch auf Bildern nicht festzuhalten. Die großen Fähren wirken neben den bis zu 1700m hohen Steilwänden mit ihren dutzenden Wasserfällen total verloren.

Wer sich übrigens fragt, was der Herr Schettino nach seinem Maleur mit der Costa Concordia heute so macht: Er arbeitet als Kapitän auf der „Go-Orange“-Fähre im Milford Sound. Das hätte mir mal jemand vorher sagen sollen! Ich bin extra vorne an die Spitze des Bootes gegangen, als er ganz nah an die Stirling Falls, einen der großen Wasserfälle dort heranfuhr. Dachte ich zumindest – er ist natürlich IN den Wasserfall gefahren und ich war (schon wieder) patschnass. Was für ein Getöse! Wir sahen außerdem noch eine Kolonie Robben, einen Pinguin und dicke Krabben, die sich die Crew zum Abendessen gefischt hat. Eine tolle Tour!

Die Stirling Falls


Den Rest des Tages verbrachten wir damit, wieder nach Queenstown zu fahren. Nach einer unschlagbaren 5-Dollar-Pizza bei Dominos (Die Firma hat uns vor dem Ruin bewahrt) nächtigten wir wiedermal auf einem der günstigen DOC-Campingplätze. Die Nacht war kalt, am nächsten Morgen waren die umliegenden Hügel mit Frost bedeckt. Nach Wanaka fuhren wir die Passstrasse zur Westküste, wo wir jedoch erst am nächsten Morgen ankommen sollten: Lotsen müssen die Autos einzeln an einem Erdrutsch vorbeischleusen. In Neuseeland hat nun mal die Landschaft die Hosen an!

Ein Tal bei Wanaka
Die Westküste

So fuhren wir also Stück für Stück die Westküste hinauf. Wir campten an herrlichen, klaren Seen und durchquerten dichte Wälder. Die Straße war oft abenteuerlich, und hinter einer Kurve sah ich aus dem Augenwinkel eine Art Kugel über die Straße kriechen. Wir fuhren zurück und fanden einen kleinen Igel verängstigt zitternd und zusammengerollt auf der Straße liegen. Bevor wir aussteigen konnten kamen noch zwei Autos – das letztere fuhr so knapp am Igel vorbei, dass wir dachten es hätte ich sich ausgeigelt. Ich schnappte mir das arme Ding und wir nahmen ihn mit zum nächsten Waldstück. Ihm gefiel offenbar Housemusik, und nach ein wenig Wasser wurde er plötzlich wieder richtig munter. Schweren Herzens trennten wir uns von dem unverschämt süßen Tier und setzten ihn im Wald aus.

Auf diesem Bild sind 2 Tiere, 1 davon hätten wir nicht gerettet!
Es ging also ohne Igel weiter gen Norden. Bis zum Wochenende wollten wir es nach Takaka schaffen, wo mein Freund Tom aus England mit seinem Hausboot auf uns wartete. Der Autofahrer vor uns fuhr so grottig, dass ich schlechte Laune bekam. Er schlich auf den Geraden hinter dem Vordermann her und überholte dann an den unmöglichsten Stellen. Ich bin ja selbst kein Engel auf der Straße, aber das ging wirklich gar nicht. Wegen solchen Idioten verlieren Andere ihr Leben! An einer der zahlreichen einspurigen Brücken hielt der Wagen, schaltete ohne ersichtlichen Grund in den Rückwärtsgang und rammte uns trotz langem Hupens seine Anhängerkupplung in die Motorhaube. Was!? Der Fahrer entpuppte sich als 22-jährige Kanadierin. Ich fragte sie zunächst ob sie betrunken sei, bevor ich ihr erklärte dass Menschen wie sie kein Auto fahren sollten. Soll doch der Franzose fahren der mit dabei war! Den Tränen nahe ließen wir sie einen kleinen Schuldzettel schreiben und ich machte Fotos vom Reisepass. Wir sind nun 100 Dollar reicher und Schlodder sieht genauso scheisse aus wie vorher. Gut, dass wir keinen Mietwagen haben! 

Irgendeiner der Seen

Ein weiterer Pflichtstopp auf dem Weg gen Norden sind die Gletscher „Franz Josef“ und „Fox“. Jeder unserer Reiseführer schwärmt von den Gletscherbegehungen. Jeder unserer Reiseführer ist aber mindestens 5 Jahre alt, und mittlerweile ist von den Gletschern nicht mehr viel übrig. Die kleinere Wanderung zum Franz Josef ist ziemlich enttäuschend. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis die touristischen Alpendörfer dort in sich zusammen fallen. Eine Frage blieb uns jedoch: Warum hat es dort permanent nach Schokolade gerochen? 

War mal spektakulär: Franz Josef der Gletscher

Nach einer letzten Nacht am idyllischen Nelson Lake erreichten wir vor ein paar Tagen schließlich Motueka und haben Tom wiedergetroffen. Momentan leben wir auf einem Boot! Dementsprechend bin ich viel zu entspannt, um mir viel Zeit zum Blog schreiben zu nehmen und habe diesen Eintrag mehr oder weniger „hingeschissen“. Sorry dafür! Ihr habt es anscheinend überlebt. Beim nächsten Mal berichte ich also vom Leben auf dem Hippieboot. In 3 Wochen geht bereits mein Flieger nach Singapur und in 6 Wochen bin ich schon wieder zuhause! 

Embrace yourself...

Flo


5. März 2014

Queenstown

Hallo! 

„Hallo“ ist deutsch und ist das allgemein gängige Wort in Neuseeland, um Leute zu begrüßen. Das liegt daran, dass etwa die Hälfte aller Reisenden deutscher Herkunft sind. Grausam! Mittlerweile geht einem sogar der deutsche Akzent frischer Reisender auf die Nerven. Gestern Abend kam ein Mädel zu unserem Auto: „Exkuss mi, aju afrait off spaidass?“ Ich habe direkt auf deutsch geantwortet. Unser liebstes Beispiel ist aber nach wie vor ein Reisender, den Vincent in einem Roadhouse in Australien vor sich in der Schlange hatte. Er zeigte auf die Waren in der Theke: „Wonn, wonn, wonn! Satt, satt ent satt!“ Es ist ja eigentlich gemein über Akzente zu lästern, aber hier redet man wirklich Leute auf Englisch an und bei der Antwort kommen einem nach 2 Wörtern die Kartoffeln aus dem Mund entgegen geschossen.

Ok, eigentlich wollte ich nur „Hallo“ schreiben. Hat nicht geklappt. Wie auch immer, ich werde euch in diesem Eintrag von Queenstown berichten, der bei Reisenden wohl beliebtesten Stadt Neuseelands. Hier mussten wir zum ersten mal mehrere Tage vorab ein Hostel reservieren. Und Queenstown hat wirklich einiges zu bieten – sonst würde ich auch keinen seperaten Eintrag dazu schreiben. Qtown liegt in den Alpen an einem großen See. Das kitschige Blau des Wassers spielt mit den kontrastreichen, kargen Hügeln und den schneebedeckten Felsmassen, die den Hintergrund beschreiben. Man fühlt sich ein wenig wie in einer ungewollten Kreuzung aus Skidorf und Strandpromenade.

Im Ort reiht sich ein Reisebüro an das Andere; überall kann man zahlreiche Aktivitäten buchen. Sei es Wild water rafting, Helikopterflüge, Jetbootfahren, Canyoning, Skydiving oder Bungyjumping - hier kann man gut und gerne 1000 Dollar am Tag verprassen. Queenstown wird nicht umsonst „Action Capital“ genannt. Wir schauten uns zunächst in Ruhe den Ort an und buchten jeweils eine Kleinigkeit für den übernächsten Tag. An meinem Geburtstag schlenderten wir in eine gemütliche Bar mit Livemusik. Groß gefeiert wurde jedoch nicht, da ich meinen Sprung ungern verkatert antreten wollte. Macht aber nichts, wir waren schließlich noch ein paar Tage da! Ich liste einfach mal die Aktivitäten auf, die ich unternommen habe – nur ein ganz kleiner Ausschnitt der dortigen Möglichkeiten.

Regeln sind Regeln!
Frisbeegolf: Wie auch Bungyjumping wurde Frisbeegolf in Queenstown erfunden. Man kann sich überall im Ort für 5 Dollar am Tag eine Frisbee oder Wurfscheibe (besser!) ausleihen und zum Parkour in den Stadtpark gehen, der auf einem Landzipfel im See gelegen ist. Wie beim Golf gilt es dann, 18 Bahnen zu meistern. Natürlich gibt es dafür keine Bälle und Schläger, sondern eine Frisbee. Wer hätte damit gerechnet. In bis zu 180m Entfernung steht ein spezieller Auffangkorb, und oftmals erschweren Büsche, Bäume und Höhenunterschiede das Vorankommen. Vincent und ich hatten eine Mordsgaudi. Vor Allem wenn die Wurfscheibe des Anderen am Hang ins Rollen gerät und irgendwo außer Sichtweite im Gebüsch verschwindet ist die Schadenfreude groß – schließlich steht ein Sixpack Bier auf dem Spiel! Genau, auf dem Spiel! Der deutsche Regelnazi besteht daher auch immer darauf, dass ein Fuß genau da platziert wird, wo die Frisbee gelandet ist. So bahnt man sich dann seinen Weg durch den hübschen Stadtpark. Frisbeegolf hat mich absolut überzeugt. Es ist günstig, leicht zu lernen und macht wirklich Spaß. Man kann es auch prima in der Gruppe mit ein paar Bierchen verbinden, Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist in Neuseeland ja im Gegensatz zu Australien wieder erlaubt. Wer Queenstown besucht kommt um ein paar Runden Frisbeegolf jedenfalls nicht herum!

Vincent wirft Wurfscheiben wegen wirklich windigem Wetter weit weit weg
Biergartenstimmung in QT

Fear Factory: Das berühmte Horrorhaus ist über Neuseeland hinaus bekannt. Für 29 Dollar kann man sich hier in der Gruppe durch stockfinstere Räumlichkeiten wagen, in der so mancher Schocker auf einen wartet. Eigentlich halte ich von so Horrorhäusern nicht viel, doch wenn man schon mal hier ist sollte man die Chance vielleicht nutzen. Mit den Händen an der Schulter des Vordermanns muss man roten Laserpunkten folgen. Tatsächlich sind wir ordentlich zusammengeschreckt, wenn einer der Liveanimatoren uns plötzlich übers Kinn gestreift oder in den Nacken gehaucht hat. Zu viel möchte ich hier auch nicht verraten, falls jemand das Haus noch besuchen will. Nach 20 Minuten war der Spaß jedenfalls vorbei, und wir haben keine bleibenden Schäden davon genommen. Also keine Neuen jedenfalls. Ob die Sache wirklich 30 Dollar (20 Euro) wert ist bezweifle ich jedoch – es war wohl mein erstes und letztes Horrorhaus. Zum Schießen waren jedoch die Fotos, die einem nach Abschluss der Aktion für etwa 5 Monatsgehälter zum Verkauf angeboten werden: Normalerweise sieht man hier angsterfüllte Gesichter und schreckhafte Posen. Bei Vincent und mir sah das etwas anders aus: Mit meiner Hand auf seiner Schulter grinse ich amüsiert in die Kamera, während mein Vordermann in leicht gebeugter Haltung erstaunt nach oben schaut. So eines von den Bildern, die bei schwulen Pärchen im Wohnzimmer stehen.

The Luge: Das ist eine Art selbst lenkbare Sommerrodelbahn mit phänomenaler Aussicht. Die Gondelfahrt auf den Berg und 5 Luges sind für 50 Dollar zu haben. Bei der ersten Fahrt muss man die Panoramastrecke nehmen, danach kann man auch einen steileren Kurs wählen. Die Aktion ist wirklich witzig und man ist einigermaßen flott unterwegs. Besonders anspruchsvoll ist es um die Asiatinnen herumzugurken, die mit etwa Schrittgeschwindigkeit auf der Bahn idlen. Die quieken dann auch immer so komisch! Klischee bestätigt. Leider neigen die Luges in Kurven recht schnell zum Kippen und driften dann an die Seite – Bei der letzten Fahrt habe ich bestimmt den nicht vorhandenen Streckenrekord geknackt, was jedoch in einem blauen Fleck an der Hüfte resultierte.

The Luge
Nevis Highwire Bungy: Der Bungy kostet mit Bildern etwa 300 Dollar und ist einer von Dreien in der Region. Jedoch ist er anstatt 43m und 47m einfach mal stolze 134m tief. Damit ist „der Nevis“, der als König aller Bungysprünge gilt der dritthöchste Bungy der Welt. Eine Besonderheit ist, dass das Seil an den Füßen festgemacht wird. Man muss also kopfüber abspringen. Desweiteren springt man von einer kleinen Plattform, die an Stahlseilen über ein Tal gespannt ist. Mir war von Anfang an klar, dass ich den Nevis machen möchte, wenn ich nach Queenstown komme. Vincent hat sich für einen Skydive entschieden. Doch dazu muss man ein Flugzeug betreten, igitt! Außerdem gelten Bungies als schwieriger, weil man sich selbst überwinden muss zu springen – die Angestellten dort dürfen einen nicht schubsen. Und wenn man am anderen Ende der Welt die Chanche hat, DEN Bungy zu machen, dann muss man das doch einfach tun, oder nicht? Das ist doch so, als würde man von Jessica Alba entjungfert werden. Mit der Einstellung habe ich jedenfalls den Sprung gebucht – als ich dann aus dem Allradbus stieg und mein Blick auf die Plattform fiel war mir diese Argumentation jedoch völlig fremd. Warum habe ich das nochmal gebucht? Dafür bezahle ich auch noch Geld? Was mache ich hier? Bin ich jetzt völlig bekloppt? 

Die Plattform
Auf einer Aussichtsplattform bekommt man eine kleine Sicherheitseinweisung und kann den wohl ebenfalls bekloppten Vorgängern beim Springen zuschauen. Das war der Moment, in dem auch die letzte Farbe aus den Gesichtern der neuen Gruppe verschwand. Gute 8 Sekunden fällt man kopfüber ins Tal, bis man 10 Meter über dem Boden zurück katapultiert wird. Eine kleine, offene Gondel brachte uns zu der Plattform. Aus den Lautsprechern schallt aggressiver Hiphop. Man kann durch einen Glasboden in das Tal schauen. Oh, ein Fluss. Nie zuvor in meinem Leben war ich so nervös. Vor mir springt ein ziemlich englisch aussehender Engländer. Im letzten Moment krallt er sich reflexartig am Bauch des Angestellten fest und fällt mehr von der Plattform, als das er springt. Es sah urkomisch aus, doch keiner lacht. Wir waren schließlich die Nächsten. Ich bekam das Geschirr an die Beine. Wo bleibt der Richter mit der Giftspritze? Habe ich noch ein letztes Wort? „Next one! Florian! 86 Kilo, same Rubber!“ Ich robbte zum Sprungbett und schaute hinab. Oh, das war ein Fehler. Also das Hinabschauen. Oder vielleicht doch alles hier!? Vom Greifarm aus wird ein Foto gemacht. Ich werde sie später kaufen, da ich vor allem dieses eine Bild hier haben wollte: Ein Bild von sich selbst in absolutem Angstzustand. Aber das ist wohl die Essenz dieser Aktion: Trotzdem Springen, wenn jede einzelne Körperzelle dagegen ist.


Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für mich

Der Blick in die Tiefe
Der Sprung an sich ist unbeschreiblich. Man vergisst alles um sich herum und schreit aus vollem Hals. Das Seil spannt sich und sämtliches Blut aus dem Körper will in den Kopf – vielleicht kann man im Fluss ja eine hübsche Forelle sehen. Mir regnen silberne Schuppen vor den Augen und ich hole zum ersten mal wieder Luft. Beim zweiten „Rebounce“ muss ich die Lasche aus meinem linken Schuh ziehen, um die Federung zu minimieren. Ein lautes, metallisches Klacken verrät, dass die Winde anfängt zu arbeiten. Das wurde zuvor mehrfach erwähnt, da bei dem Geräusch Leute in Panik geraten sind. Ich war jedenfalls froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, wenn man die Plattform denn so nennen kann. Der Nevis Bungy hat sich definitiv gelohnt. Leider war es ein wenig Massenabfertigung, doch an dem Tag war perfektes Wetter und 150 Leute wollten springen. Man darf den Nevis jedoch nicht unterschätzen – es ist nicht vergleichbar mit irgendeinem Fahrgeschäft auf der Kirmes oder im Freizeitpark. Es ist pure Überwindung von der Plattform zu springen und es sind enorme Kräfte, die auf den Körper wirken. In meinem rechten Auge ist eine Ader geplatzt und ich laufe seit einer Woche herum wie ein Zombie. Wer Zombies mag sollte aber definitiv nach Queenstown kommen.

Fergburger: Der angeblich beste Burger der Welt ist für 11 Dollar in Queenstown zu haben. Die Schlange vor der Theke expandiert jederzeit den Bürgersteig hinauf. Als wir an meinem Geburtstag den BIG AL, den König aller Burger haben wollten, mussten wir 90 Minuten warten. So kann man seinen Geburtstag auch verbringen! Und man muss sagen, die Burger dort sind wirklich richtig gut. Ob es die besten der Welt sind weiß ich nicht, aber Fergburger muss definitiv besucht werden. Mehrfach.


Mittlerweile haben wir Queenstown verlassen. Vincent und ich haben uns dazu spontan ein Auto gekauft. Da die beste Reisezeit sich dem Ende neigt sollte es wenn Überhaupt die ranzigste Karre sein, die Neuseeland zu bieten hat. Und tatsächlich haben wir bis heute kein Auto gesehen, was so abgef**** aussieht wie unser guter alter „Schlodder“. Leute drehen sich nach uns um und grinsen, und wir müssen selbst immer wieder lachen, wenn wir den Wagen sehen. Kein Karosserieteil sitzt noch genau da, wo es hingehört. Schlodder war wohl mal ein Rallyewagen. Aber hey, die inneren Werte zählen! Der Honda Integra hat uns je 400 Dollar gekostet, hat 2 Monate Tüv und Rego und ist ein echter Charakter. Er hat Automatik, braucht nur 7-8l Sprit und ist richtig flott unterwegs. Endlich kein rollendes Verkehrshindernis mehr! Man kann den Motor jedoch nicht starten, ohne dass die Alarmanlage aufheult – zur Freude der Rentner auf dem Bürgersteig. Mit eigenem Wagen kann man die umwerfende Natur dieses Landes einfach am besten „erfahren“. Tatsächlich stellt Neuseeland Australien und alles Andere was ich bisher gesehen habe in den Schatten, was die Landschaft angeht.

Schlodder
Vincent und ich werden also noch ein wenig zusammen weiter reisen, was eigentlich nicht geplant war. Aber wir kommen sehr gut miteinander aus, wenn man von Kleinigkeiten mal absieht. Da wäre zum Beispiel seine Angewohnheit, vom absolut Allem den Deckel nicht richtig zu verschließen. Soße, Shampoo, Nutella – Vincent ist ein Deckelfaker. Das treibt mich in den Wahnsinn! Vor Allem kombiniert es sich nicht gut mit meiner eigenen schlechten Angewohnheit, sämtliche Dinge die ich in die Hand nehme mit 2-3 Saltos durch die Gegend zu werfen. Außerdem reden wir zu oft über Döner und kriegen Hunger. Apropos Hunger, ist mal gut jetzt hier! Bis zum nächsten mal!

Flodo aus dem Frauenland