15. Mai 2013

Von Zügen und Ampeln

Hallo liebes Tagebuch...

Vorab ein Foto von heute Nacht...

Es ist Donnerstag, 1:30 Uhr morgens. Ich sitze gerade müde und durchnässt im einem Burger King Hungry Jacks mitten in Melbourne und muss irgendwie die nächsten 5 Stunden rum kriegen, bis ich wieder zur Arbeit darf. Klingt, als ob da was schief gelaufen ist? Möglich. Bereits heute morgen um 6:30 habe ich im Hotel angefangen zu arbeiten, wobei ich dank Schlafmangel schon nicht ganz auf der Höhe war. Schließlich war es gestern der letzte Abend mit Daniel und Tom, die heute früh gen Westen aufgebrochen sind. Für den späten Nachmittag kam dann spontan eine Buchung von 85 Personen rein, weshalb Josefine mich darum bat, ihr an der Bar zu helfen. Neben dem normalen Betrieb zu zweit auch noch ein wildes Rudel Freibieraustralier bei Laune zu halten ist schon fast Hochleistungssport! Heftiger war eigentlich nur meine Schicht im Nachtclub des Hotels, wo bis 5 Uhr Nachts bunt angemalte Feierwütige den halben Laden zerlegt haben. 
Der Nachtclub im Hotel - noch heile
Nach insgesamt 13 Stunden Arbeit war ich eben gegen 0 Uhr dann jedenfalls auch gut geschafft, als ich endlich Feierabend machen konnte. Am Bahnhof war dann unter meiner favorisierten Destination allerdings nur eine große schwarze Fläche zu sehen. Uuups! Normalerweise arbeite ich nur am Wochenende an der Bar, wo die ganze Nacht durch Busse nach Altona fahren. Das ist an einem Mittwoch Abend natürlich nicht der Fall, und der letzte Zug ist seit 15 Minuten weg. Tja, dumm gelaufen. Geärgert hat mich das allerdings überhaupt nicht! Ich weiß nicht warum, wahrscheinlich ist man als Backpacker so abgehärtet, dass schlechte Umstände einfach als „immerhin nicht langweilig“ oder „mal was Neues“ abgehakt werden. In der Hinsicht hat mich die Reise doch schon irgendwie verändert. In kritischen Situationen bleibe ich total ruhig und sehe es als Herausforderung, einfach das beste aus der Situation zu machen. Warum auch Energie verschwenden und sich aufregen oder ärgern? Aufgefallen war mir das schon bei meiner Kollision mit dem Lastwagen in meiner ersten Schicht als Pizzafahrer. Da werde ich fast von 2m großen Reifen zerquetscht und hab nichts besseres zu tun als einen dummen Spruch zu reissen und arbeite einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Jawoll, ich schweife ab. Ich darf dass, ich bin müde! Zunächst wollte ich also jedenfalls irgendwie per Anhalter nach Altona kommen, doch ein gewaltiger Wolkenbruch und die Tatsache, dass ich in 5 Stunden eh wieder hier sein muss lassen mich nun halt in einem Fastfoodladen übernachten. Wäre schon fast gemütlich, wenn der Vollasi neben mir mal endlich aufhören würde lauthals mit seinem Homeboy zu telefonieren und irgendjemand diese hässliche McSonstwas Maschine zum Schweigen bringen würde! Piep! Piep! Pieeeep! Waaaaarrrgh! 

meine Bar von Innen
meine Bar von Außen










Jedenfalls kann ich nun auch noch eben erzählen, wie ich hier zum Autohändler geworden bin. Eher durch Zufall habe ich die Verkaufsanzeige von Ollie, einem Fleischer aus Deutschland bei Gumtree gesehen. Er wollte bald abreisen, was der Grund für den recht guten Preis von 2500 Dollar Verhandlungsbasis für den Van sei. Soviel hatte ich längst nicht auf dem Konto, aber vereinbarte trotzdem eine Probefahrt. Der Wagen hat mich aus mehreren Gründen angesprochen. Ganz entscheidend ist die westaustralische Registrierung, die mir ein unkompliziertes Ummelden ohne Werkstattcheck ermöglicht und zukünftig beste Wiederverkaufschancen bietet, egal in welchem Staat ich den Wagen wieder verhökern möchte. Ganze 4 Monate „Rego“ waren sogar noch übrig. Kompakte Maße, unauffälliges Äußeres, 4 neue Reifen, Bullbar, ein sparsamer Dieselmotor, Heckantrieb mit Blattfedern und ein ganz guter Innenausbau mit Bett, massig Stauraum und einer brauchbaren Musikanlage sowie jede Menge Zubehör (Kühlbox, Wassertank, Spritkanister, Tisch, Angel, großer Gaskocher etc etc...) waren ebenfalls nicht zu unterschätzen. Der Wagen hat allerdings schon über 375.000km auf dem Tacho. Gerade mal eingefahren! Als Ollie ihn in Perth gekauft hatte, ist ihm wenig später die Zylinderkopfdichtung durchgebrannt, weshalb er für 2000 Dollar den halben Motor hat erneuern lassen. Der Wagen lief super und ich konnte mit Ollie unschlagbare 1800 Dollar aushandeln, die ich ihm nach einer längeren Testfahrt am nächsten Tag geben wollte. Wie ich es ja schon gewohnt war sprang am nächsten Tag natürlich der Wagen nicht an. Die Batterie war frisch ausgetauscht worden, also konnte nur eine defekte Lichtmaschine in Frage kommen. Dass jene defekt war, wusste Ollie vorher. Doof nur, dass die frische Batterie, mit der er den Defekt überspielen wollte für einen Dieselmotor mit Glühkerzen zu klein war. Ich sagte Ollie, dass ich den Wagen so nicht kaufen würde. „Oah nee. Und wenn ichn dir für 1000 dalasse? Dann kann ich am Wochenende aufn Roadtrip und dann is gut. Verloren hab ich eh mit dem Ding“ 1000 Dollar für den Wagen – dass konnte ich unmöglich abschlagen. Fotos folgen!


Ich gewährte Ollie noch ein paar Nächte Asyl in meinem Fuhrpark. Um ein Haar hätte ich ihm noch sein Longboard abgekauft – echt praktisch so ein Teil! Auf dem Weg zum Kloster, wo es kostenloses Essen gibt und wo wir den Kaufvertrag fertig machen wollten ist dann mal wieder etwas Unglaubliches passiert. Eine von den Situationen, wofür ich Australien liebe und hasse. Ein frischer Strafzettel weht im Wind an unserer Windschutzscheibe, als Ollie anhält, um ein paar Fußgänger die Straße passieren zu lassen. Er fährt wieder los – dass er gerade an einer roten Ampel gestanden hatte war ihm offenbar entgangen. Nicht entgangen hingegen war es der Polizistin in ihrem Einsatzfahrzeug hinter uns. Jackpot! Die Sirene heult zwei mal laut auf. Wir halten an und steigen aus. Die Polizistin hält Ollie ihren Ausweis unter die Nase. „What the hell are you doing? Didnt you see that redlight?“ Ollie, in seiner gelassenen Art, entgegnet nur „Wich redlight?“ - „that redlight around the corner. You cant even remember it?“ Entsetzen steht in ihrem Gesicht. Mitten im belebten Viertel St. Kilda eine Fußgängerampel zu übersehen kann aber natürlich auch anders ausgehen. Ich erklärte ihr, dass ich Oliver wohl in dem Moment etwas mit dem Radio abgelenkt haben muss. „Can i see your drivers licence?“ Natürlich hat Ollie einen Führerschein, allerdings hat er den Ausweis neulich beim Kitesurfen verloren und seitdem ein Ersatzpapier dabei. Das hätte er natürlich sagen können, aber irgendwie kam nur Folgendes aus seinem Mund: „I have no drivers licence in the moment...“ Ollie halt. Der Polizistin blieb ein paar Sekunden der Mund offen stehen, bis sie ihn schließlich dazu benutzte meinen persönlichen Satz des Monats von sich zu geben: „Too much paperwork.“ Was? „Maybe you shouldnt drive without a drivers licence! Let him drive the car“ Sie deutet auf mich, steigt in ihr Polizeiauto und fährt davon. Ist das gerade wirklich passiert? Typisch Australien – Übertrieben strenge Regeln für Alles, aber meistens interessiert es keine Sau. Je nach Laune des Ordnungshüters bekommt man mal eine 800 Dollar Strafe, wenn man nicht angeschnallt ist; mal wird man einfach an der Straße stehen gelassen, wenn man offensichtlich ohne Führerschein über eine rote Ampel fährt und leicht verpeilt angibt, sich daran nicht erinnern zu können. Australien halt.

Die neue alte LiMa
Mittlerweile habe ich die Lichtmaschine also ausgebaut und nach einem Ersatzteil gesucht. Nach langer Suche war klar – das Teil gibt es nicht als Ersatzteil zu bestellen. Ein Schrottplatz hat mir das Gerät, wo bei Dieselfahrzeugen auch immer eine Vakuumpumpe mit dranhängt, für 200 Dollar mit 12 Monaten Garantie repariert. Es ist echt beeindruckend, wie viel man als Individualreisender wirklich dazulernt. Unendlich viele unbekannte Situationen und Probleme die es irgendwie zu meistern gilt. Autos ist da nur Eines von vielen Beispielen. In Deutschland hatte ich nur Ahnung vom Nötigsten, mittlerweile traue ich mich an fast Alles selber heran und werde immer besser. Kein Wunder bei den alten Backpackerkarren, wo Alles mal kaputt geht – dann muss man ja auch Alles mal reparieren! Wo ich gerade dabei bin große Töne zu spucken: Beim Einbau der Lichtmaschine habe ich natürlich vergessen die Batterie abzuklemmen. Bzzz! Die komplette Zündung war außer Betrieb. Jippieh! Mit viel Sucherei, einem Beitrag in einem Internetforum und den Tipps meines Onkels habe ich mittlerweile Eine Hauptsicherung ausgetauscht und ein weiteres defektes Teil gefunden, aber warum nach wie vor kein Zündfunke kommt weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich hat sich irgendein Relais geopfert, um mir den Tag zu versauen. Da bin ich jedenfalls noch dran! 

Der Onkel unterm Messer
Übeltäter gefunden
Am Wochenende hatte die Kommune in der Wohnung von Johannes und Luisa eine kleine Abschiedsfeier. Gefahren bin ich mit Rudi, da es mein einziges fahrtüchtiges Auto war – ohne Versicherungsschutz und unregistriert quer durch Melbourne. Wir biegen um die Ecke, da rutscht mir fast das Herz in die Hose: Polizeikontrolle. Alle Autos werden an die Seite geleitet. Glücklicherweise musste ich nur ins Röhrchen pusten, dann konnte es weiter gehen. Dennoch, mir ging ordentlich die Pumpe! Der Abend war schön, wenn man von unserem schrecklichen Gesang zu 90er Hits auf Daniels Handyvideo mal absieht, was wir uns vor einem festlichen Brunch noch anschauen durften. Morgen wird der Rudi übrigens abgeholt. Für 600 Dollar gekauft und ein wenig aufgemöbelt bekomme ich für das Teil doch tatsächlich 1750 Dollar, ohne dass ich Jemanden übers Ohr haue. Da habe ich wohl mal ein gutes Händlerhändchen gehabt! Burgundi wird höchstwahrscheinlich abgemeldet und verschrottet. Jetzt muss ich nur noch Onkel Ludwig flott machen, dann kann es losgehen. Der Name entstand übrigens, als ich gelangweilt „Van“ bei Google eingegeben und „Ludwig Van Beethoven“ gefunden habe. Das „Onkel“ gab es noch dazu, weil er nun mal schon alt und ein wenig träge ist. An dieser Stelle beste Grüße nach Holzhausen! ;-)

Am Wochenende werde ich meinen Job kündigen, um spätestens am 28. Mai meinen letzten Arbeitstag zu haben. Noch 12 Tage! Bis dahin muss der Onkel laufen, aber das klappt schon irgendwie. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich darauf freue wieder umher zu streunen. Dann gibt es hier auch endlich wieder knallbunte Reiseberichte mit jeder Menge Fotos, wie ihr sie aus Asien hoffentlich noch in Erinnerung habt. Ohne Zeitdruck der Sonne hinterher. Bald...

So, den Umständen entsprechend wurde und wird von so unnützem Zeug wie Rechtschreibfälerkorrektur, Satzbau oder gar inhaltlicher Struktur heute mal abgesehen. Es ist gleich halb 4, und wenn ich meine Frühschicht und den Autoverkauf hinter mir habe werde ich zum ersten mal im Van schlafen – und zwar lange.

Haunse!
Der Herr Gweg


P.S.: Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep.

6. Mai 2013

Pimp my rudi

Moin Moin!

Ich bin noch immer in Melbourne und war in den letzten Tagen viel damit beschäftigt, an den Autos zu schrauben. Ziel war es, aus den zwei Gurken ein gutes mobiles Zuhause zu basteln. Mein ursprünglicher Plan war dabei, einfach die Kennzeichen und Fahrgestellnummer zu tauschen, da der alte Wagen noch eine gültige Registrierung besaß. Das ist natürlich nicht die feine englische Art, aber man muss sich ja irgendwie zu helfen wissen, wenn einem Schubkarren voller Steine in den Weg gelegt werden. Die kriminelle Energie ist als Backpacker ohnehin größer, als zuhause – Strafzettel werden einfach nicht bezahlt, Waschmaschinen mit Wattestäbchen aktiviert und die Waage an der Selbstbedienungskasse im Supermarkt ist des Backpackers bester Freund. Salami oder Möhren, wo ist da schon der Unterschied? Das mag man nun für richtig halten oder nicht, so läuft es hier eben, und sollte daher in einem authentischen Reiseblog auch mal erwähnt werden. 
Jedenfalls war der Kennzeichentausch im Endeffekt doch schwieriger als gedacht, da an jedem Auto mehrfach Identifikationsnummern versteckt und verbaut sind. Problematisch war daher vor Allem die Entsorgung des alten Wagens, und wenn wirklich mal etwas passiert hat man unter Umständen keinen Versicherungsschutz. Ich entschied mich also dafür, doch zu versuchen Rudi zu registrieren. Es mag immer ein wenig albern klingen, doch ist es eigentlich Tradition, dass Backpacker ihren Autos einen Namen geben, und ich finde das auch ganz gut. Warum ich den Wagen Rudi genannt habe weiß ich übrigens auch nicht, wahrscheinlich hat mein Unterbewusstsein das „bugn“ aus „Burgundi“ entfernt und übrig blieb nun mal „Rudi“. Das gleiche Auto wie vorher also, nur ohne Bugs. Man könnte es ein gutes Omen nennen, doch Omen gibt es wohl leider nicht.


Nachts am Yarra River

Um im Staat Victoria den Besitzer eines Autos zu wechseln, muss der Behörde das sogenannte Roadworthy Certificate vorgelegt werden. Ein ursprünglich ähnlicher Sicherheitscheck, wie ich ihn schon mit Burgundi in Sydney (im Staat New South Wales) machen musste. Ich machte also einen Termin bei der Werkstatt von Alan, der ein Freund von einer der Damen des Community Centers war. Ich sollte mich dort als Bekannter von ihr ausgeben, da Werkstätten ahnungslose Backpacker, die eh bald wieder weg sind und auch keine Kunden vergraulen gerne mal ein wenig ausnehmen. Vor dem Termin habe ich alle Sicherheitsrelevanten Teile des Wagens überprüft, da offiziell nur diese bei dem Check überprüft werden sollen.
 Außerdem habe ich viele Teile von Burgundi und Rudi ausgetauscht, die bei Ersterem einfach in besserer Verfassung waren. Räder, Steinschlagschutz, Bullbar, Dichtungen, Luftfilter, Zierleisten, Kofferraumhydraulik und diverse Teile des Interieurs haben den Wagen gewechselt. Besonders die Bullbar war eine Herausforderung, doch glücklicherweise hat Daniel mir mit einer Engelsgeduld geholfen. Anschließend habe ich den Wagen komplett sauber gemacht und das Öl gewechselt. Ich habe extra dickeres Öl verwendet, da der Motor ein kleines Leck hat. Der Schlüssel funktionierte nur einseitig, weshalb ich einen komplett Neuen anfertigen lassen habe. Der Türke im örtlichen Schlüsseldienst hat mir die sonst 14 Dollar teuren Kopien dessen fast geschenkt, und noch einen Aluminium Titan Möchtegern Spezial Schlüssel obendrauf gelegt. Der Grund: Ich bin Deutscher, und die Deutschen hätten den Türken im Weltkrieg ja Waffen verkauft, und es leben ja auch so viele Türken in Deutschland, da müsste man zusammenhalten. Okay!




Es war also soweit, der entscheidende Tag stand vor der Tür. Ich brachte Rudi zur Werkstatt, wo er eine knappe Stunde lange von drei Mechanikern eingehend untersucht wurde. Am Ende war ich 120 Dollar ärmer und bekam einen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem 11 Punkte vermerkt waren, die für die Roadworthy noch erledigt werden müssten. Lenklager, Achslager, Ölleck am Motor und am Getriebe und einen Teil des Auspuffs sollte ich doch bitte innerhalb von 7 Tagen reparieren, um mal nur die unmöglichen Dinge aufzuzählen. Ach und die Windschutzscheibe muss raus um deren Rahmen zu entrosten, da dort ein wenig Flugrost sei. Sogar ein kleiner Riss in einer der Rücklichtkappen wurde bemängelt. What? Offensichtlich hat sich im Reglement in den letzten Monaten einiges geändert. Seit neuestem haften die Werkstätten für den Zustand des Autos und müssen rückwirkend alles umsonst reparieren, was sie übersehen haben. Dementsprechend kann momentan in ganz Victoria kaum ein altes Auto angemeldet werden und die Preise purzeln. Hier zeigt sich mal wieder, wie zurückgeblieben Australien doch irgendwo ist. Einen Bundesstaat weiter wird wieder alles komplett unterschiedlich gehandhabt, jede Rostlaube wird ohne Überprüfung angemeldet und kann anschließend in ganz Australien legal fahren – lächerlich. Am selben Tag wurde mir noch spontan meine lange Arbeitsschicht abgesagt und ich war mal wieder ziemlich frustriert. Immer noch im schon kalten Melbourne, kaum Geld gespart, zwei Autos - von denen Eines nicht fahren kann und Eines nicht fahren darf – so hatte ich mir das nicht vorgestellt!

Aber gut, irgendwie musste es ja weitergehen. Die zwei folgenden Tage verbrachte ich also fast durchgängig in der Library – Informationen sammeln. Wie sieht der Automarkt und dessen Reglement in anderen Staaten aus? Wie viele Mitfahrgelegenheiten gibt es? Wo ist und bleibt welches Wetter? Was passiert wenn man illegal fährt? Wieviel Erstattung bekomme ich für die alte Registrierung und Versicherung? Wie sieht es aus mit meinem Visum und Fristen? Wo will ich eigentlich hin? Mein neuer Plan stand fest: Burgundi wird so oder so abgemeldet und günstig verkauft oder verschrottet. Vorher rüste ich noch sämtliche brauchbaren Teile auf Rudi um, die erst nach dem „Sicherheitscheck“ machen wollte. Zum Beispiel das Bettgestell, welches ich bereits vor knapp 2 Monaten eingebaut hatte. Damals hatte ich mir einfach für 50 Dollar Holz gekauft (die Stahlwinkel hatten dieselbe Farbe wie der Einkaufswagen und waren somit kostenlos...), Werkzeug aus dem CC und von Anwohnern geliehen und munter drauflos gesägt und geschraubt. Das Ergebnis war wirklich gut – Ein bequemes, stabiles Bett und jede Menge Stauraum. Ich hatte es so gebaut, dass man an sämtliche Fächer und Klappen gut herankam und es am Stück aus dem Wagen rausheben konnte. Bei offener Heckklappe hat man einen gemütlichen überdachten Sessel mit Blick ins freie für zwei Personen – Autokino mal anders. Ebenfalls übernehmen wollte ich die 200 Watt starken Scheinwerfer, die ich bereits in Burgundi gebastelt hatte. Glaubt mir, wenn man die anmacht braucht man keine Sonne mehr! 


Dann war es mein Plan, auch Rudi für einen guten Betrag zu verkaufen, um anschließend als Mitfahrer Richtung Norden zu reisen. Die nächsten zwei Monate wollte ich günstig durch das Zentrum in den Norden und von dort an die Westküste, um dort länger zu arbeiten. Dort hätte ich mir wieder ein Auto zum Wohnen gesucht. In Westaustralien ist es am unkompliziertesten ein Auto zu kaufen. Solange die Rego nicht abläuft braucht man keinen Werkstattcheck, und man kann den Wagen auch in anderen Staaten problemlos verkaufen und ummelden. Dementsprechend sind die Autos natürlich oft fürn Arsch in bedenklichem Zustand. Sollte ich Rudi nicht verkauft kriegen, bliebe mir keine andere Wahl als illegal und unversichert selbst Richtung Norden aufzubrechen.

Das war also der Plan. So oder so sollte es über die berühmte Great Ocean Road und die Grampains, über Adelaide und Cooper Pedy zum noch berühmteren roten Felsen in Australiens Mitte gehen – Ob nun mit Rudi oder als Mitfahrer. Wie das mit Plänen so ist in Australien kam natürlich wieder alles anders. Immer kommt alles anders. Wenn hier mal etwas nach Plan läuft, dann ist wohl irgendetwas nicht in Ordnung. Gut so! Was passiert ist? Autohandel Steinmeier hat wieder Zuwachs bekommen: Seit gestern bin ich im Besitz von drei Autos. Drei Autos! Hätte mir das einer vorher gesagt, ich hätte ihm wohl den Vogel gezeigt. Ein Minivan namens Onkel Ludwig wird mein Zuhause für die nächsten Monate! Wie es dazu kam und was der Onkel so drauf hat erzähle ich euch im nächsten Bericht! Den gibt es diesmal zeitiger, versprochen! In zwei, spätestens drei Wochen möchte ich ohnehin aufbrechen, und es wird wieder häufiger Einträge hier geben. Und wenn ihr (und Ich!) Glück habt stehen da dann auch wieder andere Dinge drin als Arbeitssuche und Autoprobleme. Ein gigantischer Roadtrip steht vor der Tür und ich kann es kaum erwarten endlich wieder loszuziehen! Yihaaaa

Euer Flo

18. April 2013

Alltag in Australien

Hallo ihr Lieben!

Ich bin noch kein halbes Jahr unterwegs und mein Reiseblog hat bereits über 10.000 Aufrufe – Wahnsinn! Da bekomme ich ja fast ein schlechtes Gewissen, dass ich schon wieder seit drei Wochen nichts von mir hören lassen habe. Ich könnte mich natürlich damit rechtfertigen, dass man einfach nicht viel erlebt wenn man an einem Ort verweilt, aber das wäre gelogen. Da bedanke ich mich doch lieber dafür, dass ihr mein Abenteuer so aufrichtig verfolgt! Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass man auch nach Monate langer Abstinenz nicht komplett vergessen wird. Und eines steht fest: Irgendwann komme ich wieder, ob ihr wollt oder nicht ;-)
In den letzten Einträgen habe ich euch ja vom Doof und vom Grand Prix berichtet, was sicherlich die Highlights der letzten zehn Wochen waren, die nun schon hier in Melbourne bin. Doch was mache ich eigentlich den ganzen Tag? Wie verdiene ich mein Geld und wo wohne ich? Wie stehts mit meinem Auto und was sind die Pläne für die nächsten Wochen? Es wird also Zeit, mal ein wenig aufzuholen und euch von meinem Alltag hier zu berichten.

Ich fange einfach mal bei den Jobs an! Einer, den ich bis vor kurzem noch gemacht habe, war Pizzafahrer beim Franchise Unternehmen Dominos. Über die lokale Internetplattform Gumtree kam ich an ein Vorstellungsgespräch im Stadtteil Richmond, und einen Tag später stand ich schon im kompletten pervers hässlichen gewöhnungsbedürftigen Dominos-Outfit in der Filiale und bekam meine erste Lieferung in die Hand gedrückt. „Delivery delivery! Quick quick!“ Ich hatte schon in meiner Schulzeit mit 16 als Pizzalieferant gearbeitet und daher nicht mit größeren Herausforderungen gerechnet. Adresse nachschauen, hinfahren, Pizza abgeben, Kassieren, zurück fahren, fertig – kann doch jedes Kind. Aber was ich während meiner Schichten dort an skurrilen, lustigen und gefährlichen Situationen erlebt habe könnte Bücher füllen. Naja, ein Buch zumindest. Ein Kleines.

Das Liefergebiet
Am ersten Tag war Probearbeiten angesagt, und einer meiner ausnahmslos indischen Kollegen ging voraus. „I show you how to do delivery“. Auf der Karte im Flur, die das Liefergebiet zeigt, wurden sämtliche Radarfallen markiert und der Computer berechnet die Zeit, die man für die Auslieferung bekommt. Fährt man zu viele rote Zeiten, riskiert man seinen Job. Der Inder, dessen Namen ich längst vergessen hätte, sofern ich ihn denn überhaupt verstanden hätte schwang sich auf einen Pizzaroller und düste los, und ich hatte dank meiner Fahrpraxis zunächst auch keine Mühe mitzuhalten. Die Pizzaroller hatten 124cc, was ich mit meinem Führerschein in Deutschland gar nicht fahren dürfte – angeblich gar kein Problem. Das Liefergebiet ist recht dicht besiedelt, voller Einbahnstraßen und vor Allem nachts voll von Menschen, und die Höchstgeschwindigkeit lag je nach Straße bei 40 bis 70km/h. Das hielt den Kollegen jedoch nicht davon ab, mit 90 Sachen über den Fahrradweg zu heizen. Einbahnstraßen und Bürgersteige standen auch auf dem Programm, nicht das die Pizza noch kalt wird! „I show you how to give Pizza to Customer.“ Er klingelte, sagte der Dame „hello.“, murmelte sich Irgendetwas ins Hemd, während er die Hotbox auf dem Bürgersteig leerte und verschwand ohne ein weiteres Wort oder gar Augenkontakt vom Grundstück. „Thats how you give Pizza to the Customer“ Kein Wunder, dass er andauernd über zu wenig Trinkgeld meckert. Mir wurde noch schnell erklärt wie ich zivile Polizeiautos erkenne, dann konnte ich selbstständig loslegen. Bei einem lächerlichen Onlinetraining wurde mir auch endlich bewusst, dass man bei Überfällen nicht den Räuber provozieren soll und bei Bombendrohungen ist es ratsam, das Gebäude zu verlassen. Wieder was gelernt! Leider hat höchstens jedes dritte Haus in Melbourne eine Hausnummer, und in den oft stockfinsteren Wohngebäuden halten Sicherheitsmechanismen einen vom Arbeiten ab. Da will der Aufzug mal nur in die Etage fahren, wo zuletzt geklingelt wurde oder man wird kurzerhand im Erdgeschoss eingeschlossen. Auch das Fahren an sich war abenteuerlich. Ich war schnell, doch meine Intention lag eher darin unversehrt zu bleiben, als dass ich dort Mitarbeiter des Monats werde.

Karneval?
Trotzdem, in meiner zweiten Schicht hatte ich natürlich direkt einen Unfall. Ich war gerade an einem viel zu langsamen Toyota vorbeigezogen, der wie ein Bonoboweibchen auf Opium halb auf den Tramgleisen rumschlich, als ein Müll-Laster rechts neben mir links abbiegen wollte. Offensichtlich hatte er mich nicht gesehen und kam mir bedrohlich nahe. Ich wich nach links aus und kam erst am Anfang der Straßenmündung zum stehen. Schneller war das mit meinen „Bremsen“ nicht möglich. Der LKW erwischte meinen Roller mit dem Heck, während er abbog mit dem umrahmten Kasten, in dem die linken Hinterräder sind. Es gab also einen guten Ruck und ich landete zwei, drei Meter weiter mit einer gekonnten Parkourrolle auf dem Bürgersteig. Glück gehabt! Ich drückte die Karosserie des Rollers mit dem Knie wieder in die vorgegebene Position und wünschte dem LKW-Fahrer, der zuvor leicht panisch aus seinem Gefährt stürmte noch einen schönen Tag – dann ging es weiter. Unfall am zweiten Tag? Nie passiert.
Am heftigsten war jedoch meine dritte Schicht am Tag vor dem Formel Eins Rennen. Es regnete wie aus Eimern, was die vielen Tramgleise im Gebiet zu unfassbar rutschigen Fallen macht. Während der ersten Fahrt bekam mein Roller einen Platten, und ich fuhr patschnass über den Bürgersteig zurück zur Filiale. Dabei bekam ich leicht kalte Beine, da eine Anzugshose beim Arbeiten pflicht ist. Die hatte ich mir zuvor in einem Second Hand Laden besorgt. Ich bekam schließlich einen Ersatzroller, der in absolut erbärmlichem Zustand war. Keine Spiegel, schlechte Bremsen, und als mich dann die Polizei anhielt habe ich außerdem erfahren, dass das Rücklicht nicht funktioniert. Der Tag war einfach das total Chaos. Zwischen den Fahrten müssen die Fahrer Abwaschen, Teig machen oder beim Betrieb den heißen Pizzaofen putzen. Solange bis wieder die erlösenden Worte kommen: „Flow! Delivery delivery! Qiuck quick!“ Leider habe ich kaum Fotos von der Arbeit, da ich natürlich auch nicht den ganzen Tag mit einer GoPro auf dem Kopf rumrennen kann. Den Job habe ich mittlerweile gekündigt. Zum Einen, weil die Bezahlung schlecht war. 15 Dollar die Stunde sind zwar nicht allzu grottig, aber die Schichten waren oft nur drei Stunden lang und für 30 Dollar nach Steuern war der Abend dann gelaufen. Minus die 7 Dollar für lokalen Transport natürlich. Stattdessen arbeite ich nun in meinem zweiten Job morgens und abends.

Roomservice!
Diesen zweiten Job verdanke ich doch tatsächlich meinem Reiseblog. Da einer meiner Einträge „Jobsuche in Melbourne“ hieß fanden ihn Robert und Sarah aus Berlin, die auch gerade in der Region waren. Robert arbeitete als Schichtleiter in einem edlen Hotel mitten in Melbourne, wo er mir ein Vorstellungsgespräch vermitteln konnte. Danke Robert!! Das Gespräch dauerte etwa 4 Minuten, und einige Tage später klingelte mein Wecker dann um 5 Uhr morgens. Und so ist es mittlerweile Gewohnheit: Kurz das T-Shirt in den Schlafsack stopfen, damit es etwas wärmer wird und schnell in die schwarzen Eccos schlüpfen, die ich in weiser Voraussicht aus Deutschland mitgenommen hatte. Den Rucksack schnappen, den ich schon am Vorabend gepackt habe und zur Bahnstation Altonas laufen. Brrr, ist das kalt! In der Metro ist oft gespenstische Stille. Wer will um die Zeit auch schon groß plaudern? Die Hälfte der Leute hat die Augen geschlossen. Ich verschlinge oft noch einen Apfel, der kurz vor dem Servieren meistens durch einen köstlichen Schokomuffin ersetzt wird, und laufe in der Morgendämmerung zum Hotel. Dort habe ich meinen eigenen Spind, wo ich Hemden, Hosenträger und Schürze verstaue und per Daumen-Scan beginne ich meine Schicht. So doof das frühe Aufstehen auch ist, wenn die Arbeit erstmal anfängt ist der Tag wieder in Ordnung. Vorausgesetzt, man hat am Vorabend nicht allzu viele Biere im Kühlschrank gefunden. 

So müssen die Tische fürs Dinner aussehen

Mein Outfit für den Morgen
Das liegt hauptsächlich daran, dass die Arbeit sehr abwechslungsreich ist. Schwer zu sagen, was ich dort eigentlich genau mache. Ich bin morgens quasi eine universale Arbeitskraft im Restaurant des Hotels. Gäste empfangen, Bestellungen aufnehmen, das üppige Frühstücksbuffet auffüllen, Kaffee zaubern, Tische abräumen, Essen auf die Zimmer bringen, Gläser und Tassen Spülen, Tische decken oder für Lunch oder Dinner anrichten und und und. Es wird eigentlich nie langweilig und jeden Tag lerne ich Dinge dazu. Auch wenn die Gastronomie als solches absolut nicht meine Welt ist finde ich es toll, dort einmal zu intensiv reinschnuppern zu können. Es gibt aber auch immer wieder lustige Situationen. Als Sophie mir beispielsweise gezeigt hat, wie man den Roomservice macht: Ich halte das Tablett, also klopft sie an die Tür und sagt in ihrem Engelsstimmchen „Roomservice!“ Die eher unbekleidete Dame kam offensichtlich gerade aus der Dusche und hat wohl nicht mit einem Kerl gerechnet, der ihr grinsend das Tablett in die Hand drückt. Witzig sind auch Gäste, die versuchen Deutsch zu reden oder kuriose Sonderwünsche. Kollisionen in der Küche gehören jedoch zu den absoluten Favoriten meiner Lachmuskeln. Wir haben da neben der Essensausgabe so eine tückische Kühlschrankkante, an der öfters mal jemand hängen bleibt. Komischerweise ist der Grobmotoriker in mir noch nicht wirklich zum Vorschein gekommen. Ich warte noch auf den Tag, an dem ich mit vollen Armen an der Saftbar hängen bleibe und ein gutes Sirlohn Steak mit Beilagen und Soße einem Gast in den Nacken kippe. Kann eigentlich nicht mehr lange dauern, ich kenn mich ja. Mittags können sich die Mitarbeiter immer am Hotelessen bedienen. Manchmal ist es schwer, die Leute zu verstehen. Wie gesagt, viele Australier nuscheln und es gibt für fast alles eine Abkürzung. „Weckum!“ heißt, man soll doch bitte staubsaugen und ein „double cap out“ ist ein starker Cappuchino zum Mitnehmen. Ich werde oft „Hann“ genannt, wusste aber erst nach zwei Wochen dass es sich um die Abkürzung von „Honey“ handelt. 

Mittagessen
Alles in Allem ist der Job wirklich gut, da die meisten Leute wirklich korrekt sind. Seit Kurzem bin ich nun auch Abends an der Bar. In schickem, schwarzem Hemd kleine Cocktails für je 17 Dollar verteilen oder Bier zapfen, was man in Deutschland um die Ohren geworfen bekäme. Australier wollen nämlich keinen Schaum, weil dann ja logischerweise weniger Bier im Glas ist. Ich bin also im Moment etwa 5 Tage die Woche im Hotel und versuche, ein wenig Geld anzusparen. Das Gehalt dort ist wirklich gut, auf die 21 Dollar Grundlohn kommen am Wochenende noch Zuschläge. An Feiertagen bin ich sogar bei über 40 Dollar pro Stunde vor Steuern. Die Steuern betragen für Backpacker übrigens 32,5%, man bekommt sie aber meist am Ende des Steuerjahres Ende Juni wieder. Im Hotel bekomme ich zusätzlich die sogenannte „Super“, eine Art Rentenvorsorge, die nochmal etwa 9% vom Gehalt beträgt und auf ein seperates Konto eingezahlt wird. Als Backpacker kann man sich diese zurückholen, wenn man das Land verlässt.


Ein Wort im Bericht über meinen Job im Hotel hat den Einen oder Anderen von euch vielleicht stutzig gemacht: Kühlschrank. Kühlschrank? Nein, ich habe meinen Subaru nicht bei Xzibit abgegeben. Eines Tages kam ein Ranger am Cherry Lake vorbei und legte uns nahe unser „illegales Camp“ aufzulösen. Wir nächtigten in der folgenden Nacht einfach auf dem Parkplatz des Community Centers in Altona und machten uns nach und nach mit den dort arbeitenden Damen bekannt. Das Center ist nicht wirklich mit einer deutschen Einrichtung zu vergleichen. Es ist nicht karitativ, sondern wird von den in der Umgebung wohnenden Menschen rege für Kurse, Workshops und Feiern aller Art genutzt. In einem Raum gibt die Architektin aus Deutschland Yogakurse und im Nebenraum feiert eine Gruppe Malteser eine Taufe. Momentanes Motto sind Piraten, wir halfen dabei ein Piratenschiff vor dem Eingang des Gebäudes zu errichten. Wir halfen auch dabei es wieder aufzubauen, nachdem es direkt in der ersten Nacht von einem Sturm zerlegt worden ist. Die Chefin Jill gab uns irgendwann einfach einen Schlüssel für die Hintertür, sodass wir die Gartenterrasse und das große BBQ nutzen konnten. Mittlerweile haben wir einen Haustürschlüssel und stellen nachts die Alarmanlage an, wenn wir das Gebäude verlassen um zum Schlafen ins Auto zu gehen. 
BBQ im Center

Uner Stellplatz am CC

Open Air Ballett
Eines Abends war ich mit Magdalena und Freunden aus Griechenland und Chile bei einem Ballett. Ja, ich hätte auch nicht gedacht dass ich jemals Ballett anschauen würde! Wirklich spannend war es auch nicht, aber die Atmosphäre im Open Air Theater war wirklich toll. Das ist mittlerweile auch schon ein paar Wochen her, denn inzwischen wäre es zu kalt für so etwas. Die Tage, an denen sich in Altona alle um die schattigen Parkplätze gekloppt haben sind nämlich vorbei. Es wird Winter in Australien, und hier im Süden wird es langsam recht frisch. Während also bei euch die Uhr um eine Stunde vorgestellt wurde, hat man sie hier zurückgestellt. Ich bin euch also nur noch 8 Stunden voraus. Es wird Zeit wieder aufzubrechen! Die Nachmittage verbringen wir somit oft nicht mehr am Strand, sondern bei einer Tasse Tee im Center oder in der Library. Daniel, Tom und Ich spielen oft Scrabble – ich habe einfach deutsche Buchstaben und Zahlenwerte auf die Rückseite der Plättchen geschrieben. Integration hin oder her, auf Englisch ist das zu schwer. 

Gestern Abend kamen Johannes und Luisa zu Besuch, da wir für die Jill und die Crew Rouladen gemacht haben. Die beiden wohnen mittlerweile in einem kleinen Zimmer im Osten Melbournes, wo Luisa einen Job als Pferdepflegerin bekommen hat. Auch Daniel und Tom werden in ein paar Tagen in Richtung Neuseeland aufbrechen und ich weiß noch nicht genau, wie lange ich noch hier bleiben werde. Momentan arbeite ich, soviel es geht. An meinem letzten freien Sonntag habe ich für 20 Dollar Cash als Gärtner gearbeitet. Dabei musste ich Beton aufschlagen und Palmen in lehmigen Boden pflanzen, während ein Hund namens Kirby nicht von meiner Seite wich. Ein paar Wochen muss ich auf jeden Fall noch bleiben und Sparen, und dann wird es über die Great Ocean Road nach Adelaide gehen. Ob ich von da aus nach Westen oder Norden fahr, weiß ich noch nicht – da denke ich erst drüber nach wenn es soweit ist. Planung wird überbewertet.


Spannend werden die nächsten Tage in Bezug auf mein mobiles Zuhause, von dem nicht nur finanziell sehr viel abhängt: Momentan könnte ich gar nicht aufbrechen, auch wenn ich es wollte. Burgundi hat mir in den letzten Wochen viel Kummer bereitet. Eines Nachmittags kam ein freundlicher Australier vorbei, der sich unsere Autos angeschaut hat und fachmännisch Ratschläge gegeben hat. Auch er hatte wie zwei Mechaniker zuvor die Vermutung, dass es an der Wasserpumpe liegt. Bevor er mit einem Burnout vom Parkplatz verschwand hat er mir noch eine Nummer von einem Bekannten gegeben, der für faires Geld Autos reparieren würde. 

Carl - ohne Worte
Am nächsten Abend bin ich also mit neuer Wasserpumpe im Gepäck nach Melton gefahren, um mich mit Carl zu treffen. Ich nächtigte eingeschlossen auf dem mit Stacheldraht umzäunten Grundstück seiner Garage und am nächsten Morgen ging es los. Zu Mittag besorgte ich mit Carls komischem Gasauto Fish and Chips. Ich habe ja keine großen Ansprüche an Tischmanieren, aber wie dieser Mensch gegessen hat war wirklich ekelhaft. Das laute Rülpsen wurde oft nur dadurch unterbrochen, dass er sich mit seinen öligen Händen wieder Fritten in den Mund gestopft hat. Das Loch in meinem Auspuff ist nun dicht, doch die Wasserpumpe war offensichtlich doch nicht die Ursache der Überhitzung, und bei dessen Einbau ist auch noch ein Stück der Riemenscheibe abgebrochen. Um es kurz zu machen: Der Tag hat mich 500 Dollar gekostet und der Wagen war in etwa genauso kaputt wie vorher. Da stand ich also wieder auf dem Seitenstreifen mit überhitztem Motor und war so frustriert wie nie zuvor in Australien. Was für ein durch und durch beschissener Tag! Seitdem habe ich mit Unterstützung von Friedhelm, einem Bekannten aus Deutschland, der mir schon dort beim Thema Auto oft eine unvergleichliche Hilfe gewesen ist diverse Dinge durchprobiert. Mittlerweile ist klar, dass eine Zylinderkopfdichtung kaputt ist: Totalschaden. Erst die Sache mit der Rego und dann das – mehr Pech kann man mit einem Auto wohl kaum haben.
Der Trend geht zum Zweitwagen
Ich habe mittlerweile für 600 Dollar ein zweites Auto gekauft und getauft: Es heißt Rudi. Quasi das Gleiche in grün weiß. Nun muss ich mir aus den zwei Gurken irgendwie ein vernünftiges Gefährt basteln, welches mich durch das große „Nichts“ namens Outback bringt. Auch behördlich wird das nicht einfach. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich euch im nächsten Beitrag mein neues Mobile Home vorstellen kann! Drückt mir die Daumen. Anbei gibt es noch ein paar Bilder aus Melbourne, aus der Art Gallery of Victoria und dem Melbourne Convention Centre.

Euer Florian


 



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