15. September 2013

Manberry Station

Mein Zuhause
Sooooo, wie versprochen gibt’s jetzt mal ein paar Infos zu meinem Leben als Farmer auf der anderen Seite der Erdkugel! Doch zunächst möchte ich euch die Farm kurz vorstellen: Die Manberry Station liegt nochmals 15km östlich des North West Coastal Highways, der nördlich von Carnarvon durch die Wüste führt – also mitten im Nirgendwo. Nachdem man also der rappeligen Schotterpiste über mehrere Sanddünen gefolgt ist erreicht man das Farmhaus, wo David mit seiner Mutter wohnt. In meinem vorherigen Eintrag müssten ein paar Bilder sein. Mein Wohncontainer befindet sich etwa 50m davon entfernt. Ich habe zwar eine eigene Küche, doch die blieb bisher unbenutzt, da neben Unterkunft auch Verpflegung inklusive ist. Müsli zum Frühstück, Lunchpaket für die Mittagspause auf dem Farmgelände und natürlich Dinner. Jeden Abend um Punkt 19:30 Uhr gibt es bei den Goochs im Farmhaus ein fettes Essen – Steak oder Roastbeef aus der selbst geschlachteten und zerlegten Kuh mit selbstgemachtem Kartoffelbrei und Gemüse aus dem Garten. Ich habe nicht mehr so gut gegessen, seit ich vor 5-6 Jahren von Zuhause ausgezogen bin!

Auf einer Sanddüne irgendwo auf dem Grundstück
Die Manberry Station ist zwar mehr oder weniger nur ein Ein-Mann-Betrieb, aber dennoch gibt es dort Alles an Werkzeugen und Geräten, was man sich nur vorstellen kann. Kleiner Bagger, großer Bagger, Trucks, Straßenbegradigungsmaschine (Hoch lebe die englische Sprache - „grader“ ist irgendwie kürzer), Motorräder, Quads und und und. Neben einer großen Scheune befindet sich ein Hanger, den David und Ich in der ersten Tagen aufgeräumt haben. Wofür der Hangar ist? Die Farm hat eine eigene Landebahn – Davids Bruder, der Notarzt oder Kunden für das Vieh kommen auch mal per Flugzeug vorbei. Es gibt eine eigene kleine Dieseltankstelle, eine Mülldeponie am Ende der Rollbahn und überall liegen Relikte aus vergangenen Zeiten herum. Die Farm ist nämlich schon etwa 120 Jahre alt, und wenn irgendetwas den Geist aufgibt oder aus der Mode kommt dann wird es halt einfach stehen gelassen und ein paar Meter weiter neu gebaut – bei dem trockenen Klima in der australischen Wüste bleiben die Sachen dann oft auch ziemlich gut erhalten. 

Rollfeld
Tankstelle
Die 9 im Ohr steht für das Geburtsjahr der Kuh - 2009

Nostalgie am Wegesrand
Der Arbeitsalltag räumt auch mit so einigen Klischees auf, die einem bei „Bauer sucht Frau“ so suggeriert werden. Farmarbeit ist tatsächlich nicht nur körperlich alles Andere als anspruchslos! Gerade weil alles dort selbst gemacht wird, muss man mit allen Wassern gewaschen sein. In der ersten Woche war beispielsweise eine Mühle kaputt, und die Tiere hatten Durst. Wie ein Besessener sind wir zurück zum Schuppen geheizt, um Diesel für die Pumpe zu besorgen und haben anschließend das Windrad repariert. Dazu muss ich wahrscheinlich nochmal kurz ausholen, denn die Meisten von euch haben wahrscheinlich (wie ich zuvor) ein komplett falsches Bild vom ganzen System einer australischen Viehfarm im Kopf! Es ist nämlich absolut nicht, wie man sich einen deutschen Bauernbetrieb so vorstellt. Das Farmgelände ist ein gigantisches Wüstengrundstück mit Sanddünen, Flussläufen und verschiedener Vegetation. Auf den ersten Blick sieht vielleicht Alles gleich aus, doch das ist es nicht. Die Tiere laufen in Herden frei auf dem Grundstück herum, haben ihre eigene Hierarchie und sind dementsprechend wild. Nur einige wenige Kühe lassen sich beispielsweise anfassen oder gar streicheln. Auf dem Gelände gibt es insesamt etwa 10 Wasserstellen. Ein kleines Windrad pumpt Wasser aus einem Brunnen in einen Tank, der die Tränke versorgt. Wasser ist rar, da es im ganzen Jahr nur etwa 200mm Regen gibt – manchmal auch deutlich weniger. Wenn ich also beim „Mill run“ die Tanks checke (die nach etwa 20 Jahren Betrieb einfach explodieren) und den Tiere Mineralfutter vorbei bringe, muss ich auch immer auf ausreichende Wasserzufuhr achten.

20% Bräune - der Rest ist Dreck

David sucht den Wildhund
Auf dem Gelände sind wir meistens mit einem Nissan Patrol Geländewagen mit 4.2l Maschine unterwegs, um auch mit schwerem Gerät im Schlepptau noch durch Flussbetten und über Sanddünen zu kommen. Für leichtere Arbeiten rund ums Farmhaus kommt Susi zum Einsatz, wie der uralte Suzuki genannt wird. An dieser Stelle liebe Grüße an meine Tante Susanne! Das Auto sieht aus wie ein fahrender Schrotthaufen, aber wie durch ein Wunder kann man es noch immer benutzen. Der neue Nissan hingegen heißt Ute – das ist die Abkürzung von Utility („Juuut“), was den Fahrzeugtyp eines Wagens mit offener Ladefläche beschreibt. Ich teile mir den Beifahrersitz mit einem Gewehr. Andauernd halten wir an und suchen nach Fußspuren von Wildhunden, die in dieser Region zum Problem geworden sind. Alles was Kälber und Schafe fressen kann wird abgeknallt. Bis jetzt hatten die Hunde Glück, da wir das eine Mal wo wir einen sahen kein Gewehr dabei hatten. Morgens und Abends hoppeln immer Kängurus vor dem Auto her, und wilde Ziegenherde schnorren Wasser an den Tränken. Ziegen haben auch eine Lebensberechtigung, da sie Futter für die Wildhunde bieten (statt der wertvollen Kälber) und man sie zur Not auch billig verkaufen kann. Letzte Woche sahen wir eine Kuh, der ein Fuß gefehlt hat – sie muss demnächst wohl auch erschossen werden.

Der Hangar

Meine Arbeit ist hart, aber recht abwechslungsreich. In der ersten Woche bin ich fast an Heuschnupfen verreckt habe ich viel Rasen gemäht, den Swimming Pool gereinigt und das Farmgelände aufgeräumt. Ich musste zum Beispiel eine alte Leiter verstärken – dazu haben wir uns ein Stück Metall aus einem der vielen Berge Metallschrott gesucht – und mit neuen Metallnieten versehen. Dabei hat mich dann plötzlich eine Art Hornisse, die anscheinend in der Leiter gewohnt hat quer über den Hof gejagt. Wenig später schaute mir ein etwa 1m langer Waran bei der Arbeit zu. Wir haben einen Hydraulikschlauch am Grader ausgetauscht, wobei ein Eimer Benzin als Reinigungsmittel fungierte. Morgens wird der Hausmüll auf dem kleinen Hügel hinter meinem Wohncontainer verbrannt. Am Griff vom Haupttor zur Farm begrüßt mich jeden Morgen eine Redback Spider. In meiner Küche wohnt ein Frosch. Noch Fragen?

Müll? Welcher Müll?

Einen Tag benutzt
In der letzten Woche haben wir mit dem Zaunning Fencing begonnen. Zunächst musste ich alte Bohrstangen zerlegen und in der richtigen Länge wieder zusammendrehen. Dann haben wir alle 600m mit dem Bobcat ein Loch gebohrt. Mein Job war es dabei David zu navigieren, Wasser nachzukippen und den Zaun an die Seite zu biegen. Ich habe mir eine fette Prellung am rechten Zeigefinger geholt, als dieser sich zwischen Holzpfahl und Bohrmaschine eingeklemmt hatte. Der Bobcat ist ein tolles Gerät – man kann verschiedene Aufsätze vorne dran machen und ihn somit für alles Mögliche benutzen – es macht außerdem echt Spaß, damit durch die Gegend zu heizen. Anschließend haben wir schließlich die Stahlrohre einbetoniert. Wir luden einen großen Luftkompressor auf die Ladefläche vom Ute und haben alle 16m einen Metallpfahl in den Boden gerammt – das ging ganz schön in die Arme! Die härteste Arbeit folgte aber in den letzten beiden Tagen. Bis zu 45 Kilo schwere Stacheldrahtrollen mussten verladen und verlegt werden. Mit einem Quadbike haben wir zunächst den alten Draht abgetrennt und aufgesammelt. Zuvor bin ich übrigens mit dem Quadbike und einer Kettensäge auf dem Schoß den Zaun entlang gefahren, um die Bäume im Weg zu fällen – also Alles ganz nach Sicherheitsvorschriften. 

Alte Bohrstäbe auf 22,5 Zoll bringen
Das doofe am Stacheldraht ist der stachelige Draht
Morgen beginnt meine dritte Woche und ich fühle mich bisher sehr wohl auf der Farm. David ist eher ein Kumpel als ein Boss – es ist immer genug Zeit sich mit einem toten Vogel abzuwerfen oder sich mit Wildhundpheromon einzusprühen. Im Radio läuft australische Countrymusik, während die Kängurus vorm Wagen herhüpfen. Der Nachrichtensprecher berichtet ausschließlich von einer Wildsau, die irgendwo auf einem Rastplatz 18 Dosen Bier geklaut und getrunken hätte. Und von einem Salzwasserkrokodil am Cable Beach in Broome – Glück gehabt! David hört dem Radiosprecher aber nicht zu – er redet lieber mit seinen Kühen, die uns allesamt anschauen als wären wir Aliens. Auf der Farm werde ich fast schon als Teil der Familie behandelt. Als mir letzte Woche auf dem Weg nach Carnarvon mal wieder ein Reifen geplatzt ist war ich zu geizig mir für 110 Dollar einen neuen zu kaufen. Wir haben ihn schließlich selbst geflickt und bei der Gelegenheit durfte ich Ludwig auch gleich bei der Farmeigenen Tankstelle volltanken. Doof ist nur, dass ich noch immer der Einzige dort bin. Aber David sucht noch nach einem Mädel für die leichteren Aufgaben und die Tätigkeiten rund ums Farmhaus. Dann habe ich hoffentlich auch Gesellschaft, um am Wochenende mal zum Schnorcheln nach Coral Bay zu fahren. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Euer Flo


1. September 2013

Und plötzlich Cowboy

Kuckuck!
Im Spülwasser schwimmt ein toter Käfer. Meine Hände freuen sich über das warme Wasser, welches das Pflaster der offenen Blase an meinem Daumen ablöst. Ich bin doch gerade mal 3 Tage hier – wie werden meine Hände denn erst nach 3 Monaten aussehen? Zweifel kommen auf, ob ich es wirklich über eine so lange Zeitspanne durchziehen kann. David kommt schnaufend aus dem Garten und wünscht mir eine gute Nacht. Morgen früh um 7 warten wieder Milch und Weetbix auf mich, das typisch australische Müsli in Form eines Spülschwammes, wie ich in diesem Moment feststellen muss. Ich schnappe mir meine Kopflampe und mache mich auf den Weg zu meinem Wohncontainer, wobei etliche Spinnenaugen wie LEDs am Boden aufleuchten. Laut David wohnen auf der Farm ausschließlich „German-eating spiders“, aber gestern bin ich auch schon fast in das Netz einer Redback gerannt. Das Roastbeef liegt schwer im Magen – Zeit für eine eiskalte Cola. Ich durchsuche den Filmordner auf meinem Laptop mal wieder nach unbekanntem Material – viel ist nicht mehr übrig. Es wird Zeit, dass ich Gesellschaft hier bekomme. Ich fange spontan die zweite Staffel von Shameless an und versinke im bequemen Sessel. Es ist bereits 1 Uhr und saukalt, als ich mich zum Schlafen in den Van begebe. Das große Doppelbett im Schlafzimmer des Wohncontainers habe ich bisher links liegen gelassen – zu viele Mosquitos, zu viele (eine) große Spinnen und zu viele Federn, die sich in den Rücken bohren. Das Getrappel zweier Kängurus verdrängt das ferne Muhen der Kuhherden, als das Land der Träume mich aus der Wüste reißt.

Alleine an der Turquoise Bay
Vor einer Woche noch stand ich am Leuchtturm vom Exmouth, der so hoch gelegen war, dass es Handyempfang zum Hochladen der letzten Blogeinträge gab. Am Horizont des knallblauen Meeres waren ab und zu rundliche Objekte und kleine Fontänen zu sehen – Wale, die jährlich zur Blüte des Ningaloo Reef nah an die Küste kommen. Das Ningaloo Reef ist das größte Küstenriff der Welt, mit bloßem Auge vom Strand aus zu erkennen. Wenn man die Landzunge nach Exmouth bis zum äußersten Norden durchfährt und anschließend küstennah wieder gen Süden abbiegt erreicht man den berühmten Cape Range Nationalpark. Hier gibt es unzählige Traumstrände und buchten, die zum Schnorcheln einladen. Ich war ein wenig unentschlossen, da Zeit und Geld langsam knapp wurden und die Campingplätze des Nationalparks voll waren. Schließlich investierte ich ein halbes Vermögen in einen schönen Campingplatz für die Nacht direkt vor dem Park, wo ich wieder mal das belgische Pärchen traf, die mich zu verfolgen schienen. Frisch geduscht, mit sauberer Wäsche und aufgeladener Elektronik kaufte ich mir schließlich ein Tagesticket für den Park und besuchte zunächst die bekannte Turquoise Bay. Es war Flut, sodass das Riff einige Meter weit draußen war. Ich schnappte mir mein billiges Schnorchelset, welches ich auf Ko Tao erworben hatte und seitdem in meinem Rucksack vergraben war. In der Turquoise Bay kann man sich von der Meeresströmung über das Riff treiben lassen, sollte jedoch ab einem bestimmten Punkt wieder gen Küste schwimmen, wenn man nicht als Ken im Puppenhaus irgendeines Wales im indischen Ozean enden möchte.

Voll im Trend
Meine Knie sind noch trocken, als mir die ersten Fische an den Beinen vorbei schwimmen. Unterwasser taucht man dann in eine komplett andere Welt ein. Das Riff ist wenige Meter unter mir und ich weiß ich gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Auf den schwarz-weiß gestreiften Fisch mit der eleganten Flosse? Auf den lila-grünen Fisch mit den lustigen Glubschaugen, der aus irgendeinem Grund nur mit den Seitenflossen schwimmt? Auf das merkwürdige Unterwassergehirn rechts von mir? Auf das Wasser, welches langsam in meine billige Taucherbrille läuft und in der Nase kitzelt? Schnaufend und erschöpft erreiche ich wieder die Küste. Wasser ist einfach nicht mein Element, wie Julius immer so schön gesagt hat. Ich machte noch einige atemberaubende Schnorchelsessions, wobei ich stets neue Dinge entdeckte. Einmal hat mir ein kleiner schwarzer Fisch in die Wade gebissen. Ein wirkliches Highlight blieb jedoch aus – Mit etwas Glück sieht man am Ningaloo Reef auch einen scheuen Riffhai, einen Mantarochen oder eine Schildkröte. Meine Kamera nahm ich nur einmal ganz kurz mit ins Wasser, da sie ja schon einen Knacks weg hatte und ich mit ihr nicht wirklich voran kam.


Auf dem Rückweg traf ich mal wieder die Belgier. Sie empfahlen mir Oyster Stack weiter im Süden, wo sie einen Hai gesehen hätten. Ja ja, ein Hai, ist klar. Ich entschied mich dennoch, dort vorbei zu schauen und wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil, Oyster Stack war der Wahnsinn! Das Riff beginnt direkt, wenn man ins Wasser geht und befindet sich nur einen knappen Meter unter der Wasseroberfläche. Die Artenvielfalt war beeindruckend. Der Hai zeigte sich nicht, jedoch sah ich Fische in allen Formen und Farben, große blaue Seesterne, etliche Seegurken, komische Stachelviecher und und und. 
Ich war etwa 30 Meter von der Küste entfernt und wollte eigentlich gerade wieder an Land schwimmen, als ich dermaßen Grinsen musste, dass mir Salzwasser in die Brille lief - Ein paar Meter vor mir schwamm doch tatsächliche eine Schildkröte! Ich besuchte das ästhetische Tier, welches sich überhaupt nicht von mir stören ließ. Wir cruisten einige Miuten zusammen über das Riff und ich konnte die Schildkröte sogar anfassen, was mit ein paar kräftigen Schimmbewegungen und einem skeptischen Blick entgegnet wurde. Irgendwann tauchte ich wieder auf und musste feststellen, dass ich ganz schön weit von der Küste entfernt war. Auf dem Rückweg musste ich höllisch aufpassen nicht das Riff zu berühren, welches aufgrund des niedrigen Wasserstandes nun teils fast an der Wasseroberfläche war. Glücklich packte ich meine Sachen und machte mich wieder auf den Weg. Erst in der Abenddämmerung verließ ich Exmouth gen Süden. Der Cape Range Nationalpark ist auf jeden Fall einen Besuch wert und ein Muss, wenn man die Westküste bereist.

Auf einem Rastplatz traf ich Julie und Roger aus Adelaide wieder. Die beiden netten Rentner reisen für einige Wochen mit ihrem faltbaren Wohnanhänger durchs Land. Ich hatte sie bereits bei Port Hedland getroffen. Wir kamen ins Gespräch und schließlich verbrachte ich den ganzen Abend in ihrem rollenden Zuhause, wo ich mit Tee und allerlei gekühlten Leckereien verwöhnt wurde und wir uns angeregt unterhielten. Wir verstanden uns super und ich wurde sogar eingeladen, Weihnachten bei ihnen in Adelaide zu verbringen. In Deutschland undenkbar, doch Australier sind einfach viel aufgeschlossener und gastfreundlicher als die Menschen daheim. Ich werde sie auf jeden Fall besuchen, falls ich noch einmal durch Adelaide reisen sollte.

Alles Roger im Klappanhänger
Mein Ziel hieß Carnarvon. Hier sollte es laut National Harvest Guide und laut dem, was ich so gehört habe Arbeit geben, die für eine Visumsverlängerung zählt. Auf dem Weg dorthin passierte ich den südlichen Wendekreis (tropic of capricorn), der sich momentan jährlich um 14,4m nach Norden verschiebt. Ich habe also gerade offiziel die Tropenzone verlassen, als ich mal wiedermal Schild am Straßenrand sah: „Manberry St 14“. Spontan entschied ich mich mal wieder mein Glück zu versuchen, drehte um und fuhr die Sandpiste in die Wüste hinein. Ich kam problemlos vorwärts, da der Besitzer offenbar groben Kies auf die sonst kniffligen Sanddünen gekippt hatte. Irgendwann stand ich vor einem verschlossenen Eisentor. Egal, was habe ich schon zu verlieren? Ich öffnete es und fuhr weiter – bis zum nächsten Tor. Auch dort frimelte ich die massive Kette ab und fuhr weiter. Wenig später stand ich vor einem dritten Tor. Shits gettin' serious! Ich passierte es und erreichte schließlich eine kleine Farm, wo ich zunächst zwei kopflose Kühe in einer Scheune am Gabelstapler hängen sah. Wo bin ich denn hier gelandet? 
Ich kam ins Gespräch mit David, dem Besitzer der Station. Es ist eine für australische Verhältnisse kleine Viehzucht – lediglich 211.000ha umfasst das Gelände. Winzig, oder? David schmeißt den Laden alleine, hatte jedoch gerade einen Freund zu Besuch, der bald heiraten wollte. Dafür bräuchten sie noch Fleisch, weshalb sie eine Kuh erschossen hätten. Da David gerne Fleisch isst hat er gleich noch eine Zweite erschossen und dazu gehängt – wenn man eh schon mal dabei ist! Wir unterhielten uns ein wenig und ich wurde auf einen Tee eingeladen. Eigentlich suche er nur Leute zum Wwoofen, doch er könne mir neben Essen und Unterkunft auch 100 Dollar am Tag anbieten. Das ist nicht wirklich viel Geld, doch für den Anfang nicht schlecht. 

Farmhaus Manberry Station

Mein Wohncontainer
Im Farmhaus 1
Im Farmhaus 2
Es war schon recht spät, weshalb David und sein Freund die Monobraue Cyne sich wieder aufrafften. „Wanna help to rip off that cows? Hahhhaaah!“ Ich konnte natürlich schlecht nein sagen und hatte wenig später ein großes Messer in der rechten Hand, den glibbrigen Kuhpelz in der linken Hand. Ich habe also eine Kuh geschält – kann auch nicht jeder von sich behaupten! Anschließend hat Cyne die Motorsäge ausgepackt und begann, das Vieh zu vierteln. David und ich mussten dabei die Rippen auseinander ziehen. Cyne sägte schief und kam auf unsere Seite der Kuh, um hineinschauen zu können. Dabei stellte er die Motorsäge natürlich nicht ab, welche fleißig weiterlaufend Kuhstückchen über meine Klamotten spuckte. Anschließend mussten wir die Kuhviertel auf den Truck tragen. Ich weiß nicht wie schwer sie waren, aber eine viertel Kuh kommt definitiv an die Grenzen von dem, was ich heben kann – ich schaffte es jedoch gerade so, ohne sie in den roten Staub zu werfen. 

Heute schon ne Kuh geschält?

Voller Kuhgespladder aber überglücklich fuhr ich wenig später wieder vom Hof. Ich habe einen Job! Die Situation ist für mich optimal – Ich muss nicht in den noch kalten Süden reisen, kann meinen illegalen Wagen auf einem Privatgrundstück parken, sorge für eine Verlängerung meines Visums und mache Erfahrungen, für die ich hierher gekommen bin. Lediglich die Bezahlung könnte besser sein und ein wenig Gesellschaft wäre nicht schlecht, aber auch das sollte sich langfristig ändern. In den letzten Tagen war ich zunächst noch als Wwoofer auf der Farm, ab morgen beginnt dann die bezahlte Arbeit. Bereits in den ersten Tagen habe ich unzählige Eindrücke gesammelt. Das Farmleben in Australien ist nicht mit dem Leben auf einem Bauernhof in Deutschland vergleichbar, soviel sei verraten! Die Wochenenden habe ich immer frei, um zum Einkaufen nach Carnarvon oder zum berühmten Strand nach Coral Bay fahren zu können. Unter der Woche bin ich jedenfalls von nun an mitten im Busch und nicht erreichbar – nur am Wochenende vielleicht, je nachdem wo ich dann hinfahre. Wenn ich das nächste mal Empfang habe werde ich euch von meinem Alltag als Cowboy auf der Manberry Station berichten! Bis bald und vergesst mich nicht,

Flo

21. August 2013

Karijini Nationalpark


Hallöchen!

Kurzer Hinweis vorab: Mangels Empfang in der letzten Zeit habe ich mal wieder zwei Einträge gleichzeitig hochgeladen – den Älteren findet ihr rechts im Archiv!

Südlich des Munjina Roadhouses, wo der letzte Eintrag entstanden ist wird die Landschaft zunehmend dramatischer. Mein kostenloser Stellplatz für die Nacht war ist mit der schönste Ort, an dem ich je übernachtet habe. Unter einem einsamen hohen Baum mitten auf einem Gebirgskamm hat man Aussicht in zwei weitläufige Täler, die in sattem Grün leuchten und zu beiden Seiten von schroffem Gebirgsmassiv eingefasst sind. Lediglich eine Rekordverdächtig hohe Anzahl von Fliegen störte die Idylle – ich bin zwischendurch mit meinem Schneidebrett Amok gelaufen. Die Lage im Landesinneren machte sich auch in den Temperaturen bemerkbar: In der Sonne ist es heiß, ohne Sonne ist es kalt. Ein Mittelding gibt es nur in den 3 Minuten Abends, wenn der Feuerball noch so halb über den Horizont schaut.

Im Karijini Nationalpark führte mein Weg zunächst ins Besucherzentrum, anschließend unternahm ich insgesamt 5 kleinere Wanderungen.

Wanderung 1: Zum Circular Pool. Ich kramte meine Wanderschuhe aus dem Auto, da es sich immerhin um einen Class 4 Walk handelte. Die australischen Hikes sind in Schwierigkeitsgrade von 1 bis 6 unterteilt, der Aufstieg auf den Uluru war beispielsweise Class 5. Nach kurzem Abstieg in das malerische Tal folgt man dem Flusslauf entgegengesetzt der Wasserrichtung. Dabei führte der Weg tatsächlich durch den Fluss und ich hatte Teils ein wenig Mühe, keine nassen Füße zu kriegen. Das Billabong am Ziel war sehr idyllisch, und ich genoss ein Paar Orangen an einem schattigen Plätzchen. Ein Belgier sprang sogar in das klare Nass, obwohl das Wasser im Winter extrem kalt ist.

Wanderung 2: Zu den Fortesque Falls. Dieser Class 3 Walk führt ebenfalls hinab in die Dales Gorge. Die Fortesque Falls sind schließlich eine Stelle im Flusslauf, wo das Wasser eine Art natürlich geschaffene Treppe hinunter fließt. Einige Besucher haben ein Handtuch mitgebracht und hielten auf einer der Stufen ihre Wampe in die Sonne. Ich ging schnell zurück zum Parkplatz, da ich nur einen Tag bleiben wollte und es noch einiges zu Sehen gab.

Wanderung 3: Zum Klo. Dieser Class 1 Walk führt etwa 20 Meter vom Parklplatz zu einem staubigen Blechhäuschen, wo man sich ein Loch im Boden nur mit den Fliegen teilen muss. Ein Besuch ist in jedem Fall empfehlenswert, wenn man seinen Magen beim Frühstück mit grausiger Thunfischpasta vom Vorabend beleidigt hat. Anschließend quälte ich Ludwig über die Dirtroad, die zum westlichen Teil des Parks abkürzt, wo die etwas abenteuerlicheren Wanderungen starten.

Wanderung 4: In die Hancock Gorge. Dieser Class 5 Walk wird von den Einheimischen nur „The Ladder“ genannt, da eine große Metallleiter den Anfang beschreibt. Der Lonely Planet riet von einem Besuch ab, da es in der Vergangenheit immer wieder Unfälle mit übermütigen Touristen gegeben hat. Der Pfad führt zunächst am Flussbett entlang, bis man schließlich an der Wasserkante steht. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Durchlaufen oder Umkehren. Meine Wanderschuhe waren ohnehin ein wenig dreckig, sodass ich einfach mit Klamotten durch das knapp Hüfthohe Wasser watete. Irgendwann kam ich an einen Abschnitt, der auf der Karte „Spider Walk“ genannt wurde: Wie eine Spinne muss man sich dort zu beiden Seiten an den Wänden abstützen. Ich erreichte schließlich Kermits Pool, das Ende der Wanderung. Ich sprang spontan in das Wasser: Mein bisher kältester Moment in Australien. Die Wassertemperatur betrug höchstens 3cm, der ganze Körper wurde taub. Hinzu kam, dass ich natürlich zu Faul war meine Wanderschuhe auszuziehen, die mich wie Bleikugeln in die Tiefe zogen. Somit war der Rückweg auch ein besonderes Workout für die Beine.

Spider Flo, Spider Flo...

Früher konnte man ab Kermits Pool übrigens noch weiter klettern, doch mittlerweile ist der Abschnitt gesperrt: Zu gefährlich und rein zufällig auch kommerziell genutzt. Ja ja, damals war alles besser... Schöne Orte werden kommerzialisiert, in Nationalparks wird fleißig Eisen oder auch Uran abgebaut und auch die Tierwelt wird langsam aber sicher von der Gewinnorientierten Einstellung der australischen Regierung minimiert. Wer in meinem Alter ist und die einzigartige Schönheit dieses Kontinents erfahren möchte sollte damit nicht bis zur Rente warten.

Wanderung 5: Handrail Pool. Dieser Class 5 Walk, von dem bereits Johannes geschwärmt hatte war auch mein persönliches Highlight. Ich lief barfuss, da mir meine nassen Wanderschuhe zu schwer geworden sind. Zunächst gibt es ähnliche Herausforderungen wie in der Hancock Gorge. Irgendwann folgt man dem Flusslauf durch eine schmale Felsspalte – eine tolle Atmosphäre. Am Ende führt schließlich ein Handlauf durch einen kleinen Spalt hinab in ein großes Billabong. Ich will den Weg hinab filmen und habe meine Kamera in meine wasserdichte Hülle gepackt. Leider ist der Weg rutschiger als erwartet, und an der Kante zum Billabong muss ich mich auch mit der zweiten Hand abstützen. Doof dabei war, dass die Kamera in der Hülle keine Handgelenkschlaufe hat und daher nicht wie gewohnt am Handgelenk baumelt – stattdessen (wer hätte es gedacht) fällt sie auf den Boden, wird da direkt vom Wasser mitgerissen, stürzt knapp 4 Meter auf einen Felsen im Billabong und treibt dort im Wasser. Scheiße, Scheiße, Scheiße! Ich hechte hinab und springe direkt ins Wasser, da die Hülle ja auch möglicherweise einen Knacks bekommen haben könnte. Hatte sie nicht, aber die Kamera... ein Riss im Gehäuse und nur ein schwarzer Bildschirm beim Starten. Das darf nicht wahr sein. Die Kamera kostet etwa 200 Euro und eine Neue ist momentan nicht im Reisebudget. Ich hatte bereits Bilderlose Seiten im Blog und in dem Buch, was ich mir in Deutschland als Erinnerung drucken lassen möchte vor Augen. Umso glücklicher war ich, als der kleine Kasten nach ein wenig Fummelei plötzlich wieder zum Leben erwachte. Brave Kamera! 


Mitch am Handrail Pool
Im Billabong lernte ich den Australier Mitch kennen. Sein Bruder würde nur vor dem PC hocken, weshalb er ihn spontan eingepackt hätte und für einige Wochen durchs Land reist. Keine schlechte Idee eigentlich! Wir schlossen uns spontan zusammen und ich erhielt einige Infos, da die Beiden aus einem Kaff in der nähe stammen. Mein neues Ziel heißt jetzt Carnarvon, ein Stückchen weiter im Süden an der Küste. Dort soll es Schaffarmen geben und auch einige Früchte werden wieder reif: Arbeit, die für eine Visumsverlängerung zählt. Es wird jedoch Zeit- und Geldmäßig langsam knapp, und die Zukunft meines mobilen Heims ist bekanntlich auch ungewiss. Dementsprechend werde ich die unverzichtbaren Attraktionen, die noch auf dem Weg liegen im Schnelldurchlauf abklappern müssen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht! 

Bis demnächst,

Florian

Auf der Flucht

Kalte Luft zieht durch das offene Fahrerfenster. Ich müsste anhalten um es zu schließen, da die Scheibe mal wieder in die Tür gefallen ist. Keine Lust anzuhalten. Ich ärgere mich, dass ich dieselbe Straße erst gestern gefahren bin – in entgegengesetzter Richtung. Schon wieder eine Tankladung weniger im Budget. Vor vier Tagen war ich alleine aus Broome aufgebrochen. Im Rückspiegel glüht mal wieder ein Sonnenuntergang, der es in Deutschland auf jede Titelseite schaffen würde. Ich schieße schnell ein Foto und fahre weiter. Es ist schon irgendwie Gewohnheit, dass der Himmel Abends in allen Farben regelrecht glüht. Was mache ich, wenn ich wieder nach Deutschland komme? Fotos von der grauen Suppe? Meine Gedanken wandern in die Heimat. Dort ist es grade erst Mittags, und meine Trierer Freunde sind gemeinsam auf einem Festival. Irgendwie wäre ich in diesem Moment auch lieber dort. Denn abgesehen von der Musik, die grenzwertig laut aus meinen Boxen dröhnt hat mein momentanes Leben nichts mehr mit dem Leben in der Heimat gemeinsam. Ein beängstigendes Gefühl, es würde so bleiben. Dabei ist es genau dass, wofür ich hierher gekommen bin – in ein anderes Leben eintauchen. Meine Laune bessert sich. Im Groben und Ganzen läuft doch alles so, wie ich es mir vorgestellt habe – Rückschläge gehören halt auch dazu. Und Ungewissheit als solches war auch stets ein gewollter Teil meines praktisch nicht vorhandenen Plans. Ich schließe mein Fenster und fahre weiter in die Dunkelheit.

Broome nachts alleine zu verlassen war eine gänzlich neue Erfahrung für mich. Was eine wahnsinnige Atmosphäre, allein und ohne konkreten Plan oder Ziel auf den endlosen Fernstraßen Australiens in die Nacht zu fahren. Meine Augen suchten im schwachen Scheinwerferlicht nach Schildern, die auf eine Übernachtungsmöglichkeit hindeuten. Ich muss aufpassen, jetzt wo der Wagen nicht mehr zugelassen ist. Bei einer Strafe für Schlafen im Auto, was in dieser Region durchaus oft vorkommt würde ich wahrscheinlich auffliegen. Dann wäre ich obdachlos und immobil irgendwo am Ende der Welt. Ich erreiche eine kleine Parkbucht und halte an. Soll ich hier Schlafen oder bis zu einem anständigen Rastplatz weiter fahren? Ein gigantisches Känguru nimmt mir die Entscheidung ab, indem es munter vor mein Auto hoppelt. Was für ein Brummer! Autofahren in Australien bei Nacht sollte man vermeiden. Ich stellte Ludwig hinter einen Busch und versuchte lange Zeit erfolglos zu schlafen.

Raststätte im Nichts
Am nächsten Tag fuhr ich weiter gen Süden. Ich sah eine Dirtroad von der Straße abbiegen, der ich spontan folgte und erreichte eine Melonenfarm. Im Moment gebe es keine Arbeit, aber nur 800km weiter im Norden sei eine weitere Farm, da könne ich ja mal fragen. Dankeschön. Auch das Sandfire Roadhouse suchte kein Personal – Jobs hier werden üblicherweise von Agenturen vermittelt. Tank voll, Tür zu, weiter geht’s. Der Tourguide (der, der Bäume sprengt...) hatte mir den Rastplatz „De Grey River“ empfohlen, der wirklich sehr schön war. Kleine Parkbuchten tummelten sich unter schneeweißen Bäumen an einem idyllischen Flusslauf. Ich traf einen netten Franzosen namens Cyril, der dort sein kleines Zelt aufgeschlagen hatte. Er reist per Anhalter durchs Land – eine Zukunft, die mir auch noch widerfahren könnte. Wir machten gemeinsam mit noch zwei deutschen Mädels ein großes Feuer und ich vernichtete gekonnt den verbliebenen Rum.

toll, oder?
Vorgestern erreichte ich schließlich Port Hedland. Dieser Ort ist anscheinend die größte Baustelle auf dem Globus. Schutthalden, Kräne und Zäune reihen sich aneinander. Wo üblicherweise Bäume stehen sollten gibt es hier nur rotweiße Hütchen. Fast jedes Fahrzeug, was mir entgegen kommt ist entweder 50m lang oder hat spezielle Aufkleber, Fahnen und Warnlichter: Minenfahrzeuge. Perfekt, dachte ich mir. Wo gibt’s Jobs, wenn nicht hier? Erz fließt durch Port Hedland wie Blut durch Andern. Täglich verlassen gigantische Containerschiffe einen der vier ebenfalls gigantischen Häfen, das Ziel heißt meistens China. Alles ist von einer roten Staubschicht überzogen.


Ich besuchte das örtliche Besucherzentrum. Australien stellt in jedes Kaff ein Besucherzentrum, welches mit nahen Attraktionen lockt – auch wenn es eigentlich keine Attraktionen gibt. Ich ließ mir eine Liste mit Jobagenturen geben und machte mich auf den Weg in die Bücherei, um meinen Lebenslauf aufzupäppeln. „Closed“ oder „close“, da gibt es beim westaustralischen Genuschel übrigens keinen Unterschied. Die Unfreundlichkeit der Menschen schlug auf meine Laune. In der Bücherei war man eher daran interessiert hässliche Papproboter auszuschneiden, als dass man Kunden begrüßt oder gar bedient. Französische Backpacker waren etwa so kommunikativ wie ein Glas Himbeerjoghurt. Ich ließ mich nicht unterkriegen und quatschte einfach Jeden an, den ich traf – die beste Möglichkeit einen Überblick über die Jobsituation und Übernachtungsmöglichkeiten zu bekommen. Irgendwie fühlte ich mich wie eine Ameise, die sich in einen Termitenbau verirrt hat.
Abends freundete ich mich mit einem Italiener an. Natürlich hieß er Mario, jeder Italiener heißt Mario. Eigentlich ist auch jeder Italiener Pizzabäcker, aber Mario wartet seit einem Monat vergeblich auf einen Job. Er schläft in seinem Auto, ist aber in ständigem Kontakt mit der Polizei. Es gibt keine Budgetunterkünfte in Port Hedland – das ehemalige Hostel ist geschlossen und der billigste Stellplatz ohne Strom kostet satte 35 Dollar pro Nacht. Campingplätze zählen aber nicht als permanente Unterkunft, welche die meisten Arbeitgeber hier voraussetzen. Macht aber nichts, da es im Moment ohnehin keine Jobs gibt – im September gibt es in Australien einen Regierungswechsel und die großen Firmen warten ab, da ihre Zukunft ungewiss ist.


Ich entschied mich dazu, weiter nach Karratha zu reisen. Um diese Stadt machen eigentlich alle Reisende einen großen Bogen, da südlich von Port Hedland der Karijini Nationalpark lockt und die eine befestigte Straße wieder an die attraktive Westküste führt. Weniger Reisende, weniger Konkurrenz. Außerdem gäbe es in Karratha weitaus mehr kleinere Unternehmen und -ganz wichtig- ein Hostel, welches laut Lonely Planet 25 Dollar pro Nacht kostet.

Bevor ich Port Hedland verließ hielt ich noch an einer Brücke, von wo aus man Züge beobachten kann. Güterzüge beobachten – klingt nach einer typisch australischen „Attraktion“. Allerdings hat es mir dort wirklich die Sprache verschlagen: Als ein Güterzug sich langsam näherte ging auf die Aussichtsplattform, um die Waggons zu zählen. Angeblich fahren hier die längsten Züge der Welt entlang. Ich hätte mal lieber Wasser mitnehmen sollen! Der Zug war nicht wirklich schnell und lang. Sehr lang. In Zahlen ausgedrückt: 2 Loks zogen 239 Waggons. Wie ein Zugvogel habe ich aus zugiger Höhe dem Spektakel beigewohnt zugeschaut. Es gab keinen Aufzug, nur einen steilen Zugang, um nochmals Bezug zu großem Zug und Zugbrücke zugleich zu geben. Kein feiner Zug von mir, euch Zugriff auf so viele Zugwortspiele zu geben. Zugegeben, ich versuche seit langer Zeit sie mir abzugewöhnen, aber der Zug ist wohl abgefahren. Sie sind einfach zu gut. Jaja ok...

In Karratha ging die Arbeitssuche weiter. Die Jobsituation war ein wenig besser, aber noch immer schlecht. Das Hostel existierte auch tatsächlich noch, war jedoch extrem hässlich und wollte 50 Dollar pro Nacht für ein simples Bett. 50 Dollar, das ist selbst für australische Verhältnisse verrückt. Das sind mehr als 1000 Dollar im Monat für einen Service, den ich eigentlich nicht brauche. Wenn ich mich dennoch niederlasse und mir hier – an diesem Ort – das Geld ausgeht, habe ich ein echtes Problem. Hinzu kam, dass das Wochenende vor der Tür stand. Ich erwischte nur eine Jobagentur, die noch offen hatte. Verdammt, daran hätte ich denken müssen. Aber „on the road“ ist einfach jeder Wochentag gleich!

Die nächsten unproblematischen Übernachtungsmöglichkeiten lagen je zwei Stunden in nördlicher und südlicher Richtung der Stadt. Ich fuhr an den Highway und stellte mich an den Straßenrand. Scheiße, so war dass nicht geplant. Die Sonne ging bereits unter. Ich musste mich entscheiden – Norden oder Süden? Eine Vielzahl von Faktoren schwirrte in meinem Kopf herum. Ich entschied mich schließlich für Norden. Die Straße, von der ich erst am Vortag gekommen bin. Der Hauptgrund: Man kann einfach nicht gen Süden reisen, ohne den Karijini Nationalpark zu besuchen, der als einer der Schönsten des Kontinents gilt. Ich würde es mir ewig vorwerfen!

Kalte Luft weht durch das Fahrerfenster...