13. Oktober 2013

Rinderwahn

NIx geht: Der Sorryshop hat zu
Wasser, Zucker, Farbstoff, Säuremittel, Aroma, Koffein. Enthält Koffein. Klingt gut! Vollgepackt mit Cola, Schokolade und Keksen wäre mein Kühlschrank wohl der Renner auf jedem Kindergeburtstag. Aber die Energie brauche ich, denn die Arbeit ist teilweise sehr hart. Hart, aber nicht langweilig. Ich weiß mal wieder nicht, wo ich anfangen soll. Seit 4 Wochen habe ich Schelm nun schon nichts mehr von mir hören lassen und viele neue Erlebnisse warten darauf, niedergeschrieben zu werden. Mittlerweile bin ich seit fast 2 Monaten auf der Manberry Station und war die letzten 12 Tage komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Neben dem Supermarkt ist Internet wohl der einzige Grund, die 1.5 Stunden Fahrtzeit nach Carnarvon in Kauf zu nehmen. Stellt euch vor ihr fahrt nur zum Einkaufen und Telefonieren mal eben von Trier nach Köln – verrückt oder? Aus diesem Grund bin ich momentan eben nur selten erreichbar. Als ich dann vorhin über den letzten Hügel vor Carnarvon gefahren bin und plötzlich wieder Empfang hatte war mein Handy erstmal eine Zeit lang tot – Emails, Sms, Whatsapp, Facebook und seine Verwandten kloppen sich stets um die ersten Megabyte. Nun sitze ich etwa 50m von einer gigantischen Bananenskulptur entfernt auf dem Campingplatz und kratze den roten Staub von meinem Laptop.

Ich schiebe die Arbeit mal nach hinten (das kann ich gut!) und berichte zunächst, was sonst noch so passiert ist. Am ersten Wochenende habe ich mit Corni und Natti das Space Center in Carnarvon besucht. Aufgrund seiner geografischen Lage hat Carnarvon bei den Apollomissionen und bei der Beobachtung des Halleschen Kometen eine wichtige Rolle gespielt. Das kleine Museum war jedoch nicht wirklich überzeugend. Man wusste teilweise nicht einmal, was dort eigentlich ausgestellt wurde. Typisch Australien eben – Die Mädels und ich hatten trotzdem unseren Spaß.

Mit den Mädels bei der TONNE DES TODES

Faaahrtwind
In der zweiten Woche kamen Laura und Fabian auf der Farm an. Ich hatte schon seit längerem für David nach Wwoofern gesucht, doch im Raum "Knaawn" ist momentan kaum jemand unterwegs. Sie kamen aus Perth und Laura sollte noch bis zu diesem Wochenende da bleiben. Am ersten Tag stand jedoch nicht Arbeiten auf dem Programm. Zufällig führte die „Australaisian Safari“ Rallye durch das benachbarte Farmgrundstück und wir setzten uns auf die Pritsche des Nissans, um zum Spektakel zu fahren. Hat es sich am Anfang noch wie Achterbahn fahren angefühlt ist es mittlerweile schon Gewohnheit für mich, mit 80 Sachen durch raues Gelände zu brettern – auch auf der Ladefläche. Vor allem wenn David mit dem Auto Rinder treibt ist es echt brutal. Stets gut festhalten und Ducken, wenn mal wieder Äste kommen ist überlebenswichtig. Wir erreichten ein Tor, an dem sich etwa 20 Rinder tummelten. Hier sollen also in Kürze die Fahrzeuge durchfahren? David scheuchte die Tiere noch schnell in den angrenzenden „Wald“, als auch schon die ersten Motorräder angeschossen kamen. Diese Leute sind offenbar verrückt – mit bis zu 160kmh heizen die durch Gelände, in dem öfters Draht herumliegt und jederzeit eine Kuh auf die Straße laufen könnte. Einer hält an und fragt uns Schulterzuckend nach dem Weg. Ein paar Quads und Rallyeautos passierten uns noch, dann kam plötzlich lange Zeit gar nichts mehr. Wir entschieden uns, dem Geschehen entgegen zu fahren und trafen einen Rallyewagen. Der Fahrer erzählte uns, etwa 30 Kilometer vor uns hätte es einen Unfall gegeben. Der Motorradfahrer sei verstorben und der Abschnitt der Rallye abgebrochen worden. Gewundert hatte es mich nicht!


Am folgenden Wochenende trafen wir Fabian in Carnarvon wieder, der irgendwie einen Arbeiter eines Fischerbootes kennengelernt hatte. Der wartete dort auf ein Ersatzteil und hatte Bier über – es gibt Schlimmeres. So verbrachten wir den Samstag also mit anderen Reisenden und ein paar Australiern auf dem Top Deck des Fischerbootes. Ich habe mich riesig gefreut, als die Omi vom Campingplatz mir mein Paket in die Hand gedrückt hat. Ich musste meine Shure SE215 in ihrem Namen bestellen, da die Farm nur ein Postfach hat und Postfächer keine Unterschriften geben können. Das erste mal seit Ewigkeiten, dass ich etwas Auspacken durfte!


Letzten Samstag bin ich mit Laura einfach zum Campen an das Wasserloch auf dem Farmgrundstück gefahren. Zum Schwimmen lud es nicht wirklich ein, aber wir sahen eine kleine Emu-Familie und diverse Echsen. Nachts sind ein paar Rinder hektisch durch das Wasser gerannt. Ich erzählte es Davids Mum, da es eigentlich nicht dem Verhaltensmuster der Tiere entspricht zu Rennen, wenn sie nicht bedroht werden. Sie sagte, in der Sanddüne unweit des Wasserlochs sei ein Aborigine begraben und dessen Geist spüren die Tiere. Ich habe keine weiteren Fragen gestellt. 


Der Kollege war von der Fotosession schon leicht genervt

So, jetzt wäre geklärt was ich so mache wenn ich nicht gerade am Arbeiten bin. Arbeiten? Der Flo? Ja tatsächlich, Montags bis Freitags geht jeden Morgen um 6:18 Uhr der Wecker. Das hört sich jedoch schlimmer an als es ist – die Sonnenstrahlen sind schon warm und kitzeln an der Nase. Kein Tag auf der Farm ist gleich, immer gibt es irgendetwas Neues zu tun. Da ich die einzige richtige Arbeitskraft dort bin werde ich auch so ziemlich in Alles involviert und es entsteht kein wirklicher „Alltag“, was mir persönlich sehr wichtig ist. Ich erzähle einfach mal ganz dreist unchronologisch (weil ichs kann, möhöhöö!) von den verschiedenen Arbeitsbereichen.


Zu den weniger spektakulären Tätigkeiten gehören die Arbeiten rund ums Farmhaus. Rasen mähen, Kanten schneiden, Laub fegen, Bewässerungsgräben bauen oder andere Gartenarbeiten. Fahrzeuge müssen gewartet werden, so sieht man mich auch mal die Crossmopeds ölen, einen Riemen im Nissan austauschen oder Räder am Viehtransporter wechseln. Kühe wollen ab und zu ihr Mineralfutter oder Heu, wenn sie eingezäunt sind und bei der Rundfahrt auf dem Gelände der Station finden wir immer wieder defekte Teile. Neue Bohrstangen schneiden, Gewinde drehen und mit einer portablen (aber sauschweren) Drahtwinde an das Windrad befördern oder nur eben den Floater in einer undichten oder trockenen Tränke reparieren. Ich habe auch schon ein verirrtes Känguru aus einem Stall befreit, Kälber zu ihren Müttern gelotst und ein eingekeiltes Rindvieh aus einem Heuring gezogen. Teilweise kann es auch wirklich anstrengend sein. Ein gutes Beispiel dafür ist wohl letzten Dienstag, als ich mich den ganzen Tag in der prallen Wüstensonne mit einem Handspaten durch eine Sanddüne graben musste, um eine neue Pipeline zu verlegen. Ich bin mal arrogant genug zu behaupten, dass ich nicht viele Leute kenne die dass so durchgezogen hätten. Oft fahre ich aber auch nur irgendwelche Sachen durch die Gegend oder repariere einen Elektrozaun.


Überraschung am Starpicket
Ich hatte ja bereits beim letzten Mal vom Fencing berichtet. Wenn David die Farm verlässt um Diesel zu besorgen oder andere Dinge zu erledigen helfe ich entweder seiner Mutter oder fahre alleine ins Gelände. Aber auch Fabian und Laura habe ich bereits in die hohe Kunst des Zaunentdrahtings eingeweiht. Alter kaputter Draht muss nämlich aufgerollt werden. Dabei wird er an Knotenpunkten abgeschnitten, hinten ans Quad gesteckt und zum Ute mit der Spindel gezogen. Mancher Draht ist so alt, dass er überall Knoten hat und mit den Pflanzen verwachsen ist – andauernd muss man zurück rennen und die hakende Stelle finden. Dementsprechend bekommt der Draht englische und deutsche Schimpfwörter aller Art zu hören. Die Chance dass er beides versteht ist aber nicht schlecht, da es sich oftmals noch um deutsche Kriegsschulden handelt. Die Vegetation in der Zaunlinie wird niedergebrannt, damit der Zaun nicht mit den Jahren einwächst. Mit einem brennenden Grasbüschel rennt man dafür am Zaun entlang – man sollte nur aufpassen, dass der Brand nicht außer Kontrolle gerät. An den Armen und Beinen sehe ich schon aus wie ein gerupftes Huhn, ein kurzer Windstoß hatte dafür genügt. Im Weg stehende Bäume werden mit der Kettensäge zerkettensägt. Ab und zu sehe ich eine Art sandige Windrose, bei den Locals „Billy Billy“ genannt – sehr imposand imposant. Auch frische Schlangenspuren sind keine Seltenheit, doch bisher hatte ich Glück. Das Extreme am Arbeiten im Gelände ist nämlich die Abgeschiedenheit. Sollte ich eine Panne haben oder Irgendetwas passieren bin ich auf mich Alleine gestellt. Den bis zu 40km langen Weg zum Farmhaus durch die Wüste sollte ich mir stets merken. Um 5 Uhr Nachmittags muss ich spätestens zurück sein, ansonsten ist man auf der Farm in Alarmbereitschaft. Dann kann ich nur hoffen, dass irgendwer die frischen Reifenspuren abfährt, um mich zu finden.


Rinder treiben
Richtig heftig sind die Fahrten mit dem Crossmoped. Das fahrende Ersatzteillager unter meinem Hintern hat mehr Power als erwartet – ob 200ccm oder 400ccm macht dabei keinen Unterschied, da das Hinterrad auf sandigem Untergrund so oder so durchdreht. Die Bodenbeschaffenheit macht die ganze Sache auch sehr gefährlich. Davids Vater ist in jungen Jahren mit einem Geländemotorrad verunglückt, weshalb Misses Gooch die ganze Station mit 3 kleinen Kindern alleine geschmissen hat, was sehr beeindruckend ist. Ohne gutes Gleichgewicht haut es Einen sofort von der Maschine, wenn diese mal wieder zu schlingern beginnt. Beim Anfahren gibt es einen Ruck wie im französischen Ankerlift. Keine gute Grundlage für Jemanden, der noch nie richtig Motorrad gefahren ist. Oft lauern Drahtreste auf dem Weg, die sich in den Rädern verfangen können. Sanddünen können nur mit viel Anlauf bewältigt werden. Das ganze hat mit normalem Motorradfahren wirklich nichts mehr zu tun! Zusammen mit David und Cyne, der mal wieder zu Besuch war habe ich eine Herde Rinder quer über das Gelände zu einer präparierten Wasserstelle getrieben, wo diese gesammelt und verladen werden. Dabei muss man seitlich und hinter den Tieren in Schlangenlinien fahren und ausbrechende Tiere zurückholen. Teamwork und gute Analyse des Geländes hat Priorität, wenn das Ganze gelingen soll und man gesund wieder nach Hause kommen möchte – bisher bin ich lediglich einmal im Dünensand steckengeblieben. „Sneller, sneller!“ heißt es in solchen Momenten stets von David, der mit Freude ausgewählte deutsche Wörter lernt. 


Herdenbulle
Das Extremste und Gefährlichste, was ich bisher gemacht habe ist allerdings die Arbeit mit den Tieren. Es war der erste Oktober, zuhause liegen die meisten wahrscheinlich gerade auf der faulen Haut. Ausgerüstet mit einem Stück Plastikrohr stand ich in einem Gitterrondell mit knapp 4 Metern Durchmesser. Im sogenannten „Force“ werden ausgewählte Tiere in den Gang gedrängt, der zur Truckrampe führt. Die wilden, bis zu einer Tonne schweren Rinder haben darauf jedoch nur begrenzt Lust. David hat eine dicke Narbe am Bein, da ihm ein Bulle im letzten Jahr das Knie zertrümmert hat – er hat die Tiere jedoch noch Alle verladen, bevor es ins Krankenhaus ging. Das Ganze ist schwerer als es sich anhört und eine Kunst für sich. Man versucht, die Rinder halbwegs ruhig zu halten und dennoch flott auf den Truck zu kriegen. Jeder Schritt und jedes Geräusch hat Auswirkungen und will gut überlegt sein. Ziel ist es, den Herdentrieb zu nutzen und Alle in einer Reihe auf den Truck laufen zu lassen. Einige können es tatsächlich kaum erwarten ein Hamburger zu werden. Manche Rinder aber treten um sich, versuchen mich auf die Hörner zu nehmen, rennen rückwärts wieder vom Truck herunter, verkeilen sich oder brechen gar aus. Das doofe als Farmhand (Jackaroo) ist, dass man generell immer Schuld ist. Einmal verlor David auf dem Truck die Geduld und verteilte Stromschläge wie Süßigkeiten zu Weihnachten – ein großer Bulle rannte wieder hinab und ich konnte das Tor nicht rechtzeitig schließen. Meine Schuld, ich habe den Bullen wütend gemacht, rein da! In dem Moment hatte ich wirklich Angst. Dem Bullen war nicht wirklich nach Gesellschaft und in der gleichen Sektion war auch eine Kuh, die mich zuvor schon angecharged hatte – ich musste mich mit einem Sprung über den Zaun retten. Es ging jedoch Alles gut und irgendwann waren alle 42 Tiere auf dem alten Truck. Der war dadurch jedoch schwerer (tiefer) als zuvor und die Ketten waren nicht mehr zu lösen. Verdammt, daran hatte niemand gedacht. Nach einer waghalsigen Aktion mit einer großen Eisenstange konnte es endlich weiter gehen. Mittlerweile waren einige Tiere im Truck zu Boden gegangen und konnten nicht mehr eigenständig aufstehen. Ich musste hinaufklettern, mich an die Deckenstangen des Trucks hängen und die übrigen Rinder an die Seite drücken. In solchen Situationen ist es ratsam, nicht loszulassen. Auf der Fahrt zum Yard beim Farmhaus, wo die Tiere gesammelt und sortiert werden platzte mal wieder einer der alten Reifen. Egal, der Truck kommt auch so an sein Ziel. Nach ausgiebigem Lunch ging es schließlich zum „Drafting“, wobei die Tiere sortiert werden – männlich / weiblich, gemarkt / ungemarkt, mager / fett. Je ein Loch oben und unten im linken Ohr ist das Erkennungszeichen der Manberry Station. Mitterweile sind fast alle Tiere im Yard und die ersten wurden bereits verkauft und abtransportiert. Alles in Allem bin ich wirklich froh, so intensiv auch in diesen Arbeitsbereich hereinschnuppern zu können. 

  

Ein paar Vögel nisten auf einem Windrad. Im Hintergrund ein "Yard".
Ich werde zunächst für 2 weitere Wochen auf der Manberry Station bleiben und dann versuchen, noch woanders Erfahrungen (und Geld) sammeln zu können. Im Süden beginnt so langsam die Heuernte, und trotz Heuschnupfen würde ich mir das Ganze gerne mal ansehen. Vorerst bin ich also weiterhin selten erreichbar. Ach ja, letzte Woche habe ich mir mal die Haare abgeschnitten. Wollte ich schon immer mal ausprobieren und in der australischen Wüste juckt es ja auch Keinen. Nur die Kakadus schauen mich jetzt an wie einen Schwerverbrecher. Bis in 2 Wochen oder so, lasst mal was von euch hören / lesen!

Flo 
Zur Gewöhnung ein paar Glatzenbildchen. Der Geier ist ratlos.
   

15. September 2013

Manberry Station

Mein Zuhause
Sooooo, wie versprochen gibt’s jetzt mal ein paar Infos zu meinem Leben als Farmer auf der anderen Seite der Erdkugel! Doch zunächst möchte ich euch die Farm kurz vorstellen: Die Manberry Station liegt nochmals 15km östlich des North West Coastal Highways, der nördlich von Carnarvon durch die Wüste führt – also mitten im Nirgendwo. Nachdem man also der rappeligen Schotterpiste über mehrere Sanddünen gefolgt ist erreicht man das Farmhaus, wo David mit seiner Mutter wohnt. In meinem vorherigen Eintrag müssten ein paar Bilder sein. Mein Wohncontainer befindet sich etwa 50m davon entfernt. Ich habe zwar eine eigene Küche, doch die blieb bisher unbenutzt, da neben Unterkunft auch Verpflegung inklusive ist. Müsli zum Frühstück, Lunchpaket für die Mittagspause auf dem Farmgelände und natürlich Dinner. Jeden Abend um Punkt 19:30 Uhr gibt es bei den Goochs im Farmhaus ein fettes Essen – Steak oder Roastbeef aus der selbst geschlachteten und zerlegten Kuh mit selbstgemachtem Kartoffelbrei und Gemüse aus dem Garten. Ich habe nicht mehr so gut gegessen, seit ich vor 5-6 Jahren von Zuhause ausgezogen bin!

Auf einer Sanddüne irgendwo auf dem Grundstück
Die Manberry Station ist zwar mehr oder weniger nur ein Ein-Mann-Betrieb, aber dennoch gibt es dort Alles an Werkzeugen und Geräten, was man sich nur vorstellen kann. Kleiner Bagger, großer Bagger, Trucks, Straßenbegradigungsmaschine (Hoch lebe die englische Sprache - „grader“ ist irgendwie kürzer), Motorräder, Quads und und und. Neben einer großen Scheune befindet sich ein Hanger, den David und Ich in der ersten Tagen aufgeräumt haben. Wofür der Hangar ist? Die Farm hat eine eigene Landebahn – Davids Bruder, der Notarzt oder Kunden für das Vieh kommen auch mal per Flugzeug vorbei. Es gibt eine eigene kleine Dieseltankstelle, eine Mülldeponie am Ende der Rollbahn und überall liegen Relikte aus vergangenen Zeiten herum. Die Farm ist nämlich schon etwa 120 Jahre alt, und wenn irgendetwas den Geist aufgibt oder aus der Mode kommt dann wird es halt einfach stehen gelassen und ein paar Meter weiter neu gebaut – bei dem trockenen Klima in der australischen Wüste bleiben die Sachen dann oft auch ziemlich gut erhalten. 

Rollfeld
Tankstelle
Die 9 im Ohr steht für das Geburtsjahr der Kuh - 2009

Nostalgie am Wegesrand
Der Arbeitsalltag räumt auch mit so einigen Klischees auf, die einem bei „Bauer sucht Frau“ so suggeriert werden. Farmarbeit ist tatsächlich nicht nur körperlich alles Andere als anspruchslos! Gerade weil alles dort selbst gemacht wird, muss man mit allen Wassern gewaschen sein. In der ersten Woche war beispielsweise eine Mühle kaputt, und die Tiere hatten Durst. Wie ein Besessener sind wir zurück zum Schuppen geheizt, um Diesel für die Pumpe zu besorgen und haben anschließend das Windrad repariert. Dazu muss ich wahrscheinlich nochmal kurz ausholen, denn die Meisten von euch haben wahrscheinlich (wie ich zuvor) ein komplett falsches Bild vom ganzen System einer australischen Viehfarm im Kopf! Es ist nämlich absolut nicht, wie man sich einen deutschen Bauernbetrieb so vorstellt. Das Farmgelände ist ein gigantisches Wüstengrundstück mit Sanddünen, Flussläufen und verschiedener Vegetation. Auf den ersten Blick sieht vielleicht Alles gleich aus, doch das ist es nicht. Die Tiere laufen in Herden frei auf dem Grundstück herum, haben ihre eigene Hierarchie und sind dementsprechend wild. Nur einige wenige Kühe lassen sich beispielsweise anfassen oder gar streicheln. Auf dem Gelände gibt es insesamt etwa 10 Wasserstellen. Ein kleines Windrad pumpt Wasser aus einem Brunnen in einen Tank, der die Tränke versorgt. Wasser ist rar, da es im ganzen Jahr nur etwa 200mm Regen gibt – manchmal auch deutlich weniger. Wenn ich also beim „Mill run“ die Tanks checke (die nach etwa 20 Jahren Betrieb einfach explodieren) und den Tiere Mineralfutter vorbei bringe, muss ich auch immer auf ausreichende Wasserzufuhr achten.

20% Bräune - der Rest ist Dreck

David sucht den Wildhund
Auf dem Gelände sind wir meistens mit einem Nissan Patrol Geländewagen mit 4.2l Maschine unterwegs, um auch mit schwerem Gerät im Schlepptau noch durch Flussbetten und über Sanddünen zu kommen. Für leichtere Arbeiten rund ums Farmhaus kommt Susi zum Einsatz, wie der uralte Suzuki genannt wird. An dieser Stelle liebe Grüße an meine Tante Susanne! Das Auto sieht aus wie ein fahrender Schrotthaufen, aber wie durch ein Wunder kann man es noch immer benutzen. Der neue Nissan hingegen heißt Ute – das ist die Abkürzung von Utility („Juuut“), was den Fahrzeugtyp eines Wagens mit offener Ladefläche beschreibt. Ich teile mir den Beifahrersitz mit einem Gewehr. Andauernd halten wir an und suchen nach Fußspuren von Wildhunden, die in dieser Region zum Problem geworden sind. Alles was Kälber und Schafe fressen kann wird abgeknallt. Bis jetzt hatten die Hunde Glück, da wir das eine Mal wo wir einen sahen kein Gewehr dabei hatten. Morgens und Abends hoppeln immer Kängurus vor dem Auto her, und wilde Ziegenherde schnorren Wasser an den Tränken. Ziegen haben auch eine Lebensberechtigung, da sie Futter für die Wildhunde bieten (statt der wertvollen Kälber) und man sie zur Not auch billig verkaufen kann. Letzte Woche sahen wir eine Kuh, der ein Fuß gefehlt hat – sie muss demnächst wohl auch erschossen werden.

Der Hangar

Meine Arbeit ist hart, aber recht abwechslungsreich. In der ersten Woche bin ich fast an Heuschnupfen verreckt habe ich viel Rasen gemäht, den Swimming Pool gereinigt und das Farmgelände aufgeräumt. Ich musste zum Beispiel eine alte Leiter verstärken – dazu haben wir uns ein Stück Metall aus einem der vielen Berge Metallschrott gesucht – und mit neuen Metallnieten versehen. Dabei hat mich dann plötzlich eine Art Hornisse, die anscheinend in der Leiter gewohnt hat quer über den Hof gejagt. Wenig später schaute mir ein etwa 1m langer Waran bei der Arbeit zu. Wir haben einen Hydraulikschlauch am Grader ausgetauscht, wobei ein Eimer Benzin als Reinigungsmittel fungierte. Morgens wird der Hausmüll auf dem kleinen Hügel hinter meinem Wohncontainer verbrannt. Am Griff vom Haupttor zur Farm begrüßt mich jeden Morgen eine Redback Spider. In meiner Küche wohnt ein Frosch. Noch Fragen?

Müll? Welcher Müll?

Einen Tag benutzt
In der letzten Woche haben wir mit dem Zaunning Fencing begonnen. Zunächst musste ich alte Bohrstangen zerlegen und in der richtigen Länge wieder zusammendrehen. Dann haben wir alle 600m mit dem Bobcat ein Loch gebohrt. Mein Job war es dabei David zu navigieren, Wasser nachzukippen und den Zaun an die Seite zu biegen. Ich habe mir eine fette Prellung am rechten Zeigefinger geholt, als dieser sich zwischen Holzpfahl und Bohrmaschine eingeklemmt hatte. Der Bobcat ist ein tolles Gerät – man kann verschiedene Aufsätze vorne dran machen und ihn somit für alles Mögliche benutzen – es macht außerdem echt Spaß, damit durch die Gegend zu heizen. Anschließend haben wir schließlich die Stahlrohre einbetoniert. Wir luden einen großen Luftkompressor auf die Ladefläche vom Ute und haben alle 16m einen Metallpfahl in den Boden gerammt – das ging ganz schön in die Arme! Die härteste Arbeit folgte aber in den letzten beiden Tagen. Bis zu 45 Kilo schwere Stacheldrahtrollen mussten verladen und verlegt werden. Mit einem Quadbike haben wir zunächst den alten Draht abgetrennt und aufgesammelt. Zuvor bin ich übrigens mit dem Quadbike und einer Kettensäge auf dem Schoß den Zaun entlang gefahren, um die Bäume im Weg zu fällen – also Alles ganz nach Sicherheitsvorschriften. 

Alte Bohrstäbe auf 22,5 Zoll bringen
Das doofe am Stacheldraht ist der stachelige Draht
Morgen beginnt meine dritte Woche und ich fühle mich bisher sehr wohl auf der Farm. David ist eher ein Kumpel als ein Boss – es ist immer genug Zeit sich mit einem toten Vogel abzuwerfen oder sich mit Wildhundpheromon einzusprühen. Im Radio läuft australische Countrymusik, während die Kängurus vorm Wagen herhüpfen. Der Nachrichtensprecher berichtet ausschließlich von einer Wildsau, die irgendwo auf einem Rastplatz 18 Dosen Bier geklaut und getrunken hätte. Und von einem Salzwasserkrokodil am Cable Beach in Broome – Glück gehabt! David hört dem Radiosprecher aber nicht zu – er redet lieber mit seinen Kühen, die uns allesamt anschauen als wären wir Aliens. Auf der Farm werde ich fast schon als Teil der Familie behandelt. Als mir letzte Woche auf dem Weg nach Carnarvon mal wieder ein Reifen geplatzt ist war ich zu geizig mir für 110 Dollar einen neuen zu kaufen. Wir haben ihn schließlich selbst geflickt und bei der Gelegenheit durfte ich Ludwig auch gleich bei der Farmeigenen Tankstelle volltanken. Doof ist nur, dass ich noch immer der Einzige dort bin. Aber David sucht noch nach einem Mädel für die leichteren Aufgaben und die Tätigkeiten rund ums Farmhaus. Dann habe ich hoffentlich auch Gesellschaft, um am Wochenende mal zum Schnorcheln nach Coral Bay zu fahren. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Euer Flo


1. September 2013

Und plötzlich Cowboy

Kuckuck!
Im Spülwasser schwimmt ein toter Käfer. Meine Hände freuen sich über das warme Wasser, welches das Pflaster der offenen Blase an meinem Daumen ablöst. Ich bin doch gerade mal 3 Tage hier – wie werden meine Hände denn erst nach 3 Monaten aussehen? Zweifel kommen auf, ob ich es wirklich über eine so lange Zeitspanne durchziehen kann. David kommt schnaufend aus dem Garten und wünscht mir eine gute Nacht. Morgen früh um 7 warten wieder Milch und Weetbix auf mich, das typisch australische Müsli in Form eines Spülschwammes, wie ich in diesem Moment feststellen muss. Ich schnappe mir meine Kopflampe und mache mich auf den Weg zu meinem Wohncontainer, wobei etliche Spinnenaugen wie LEDs am Boden aufleuchten. Laut David wohnen auf der Farm ausschließlich „German-eating spiders“, aber gestern bin ich auch schon fast in das Netz einer Redback gerannt. Das Roastbeef liegt schwer im Magen – Zeit für eine eiskalte Cola. Ich durchsuche den Filmordner auf meinem Laptop mal wieder nach unbekanntem Material – viel ist nicht mehr übrig. Es wird Zeit, dass ich Gesellschaft hier bekomme. Ich fange spontan die zweite Staffel von Shameless an und versinke im bequemen Sessel. Es ist bereits 1 Uhr und saukalt, als ich mich zum Schlafen in den Van begebe. Das große Doppelbett im Schlafzimmer des Wohncontainers habe ich bisher links liegen gelassen – zu viele Mosquitos, zu viele (eine) große Spinnen und zu viele Federn, die sich in den Rücken bohren. Das Getrappel zweier Kängurus verdrängt das ferne Muhen der Kuhherden, als das Land der Träume mich aus der Wüste reißt.

Alleine an der Turquoise Bay
Vor einer Woche noch stand ich am Leuchtturm vom Exmouth, der so hoch gelegen war, dass es Handyempfang zum Hochladen der letzten Blogeinträge gab. Am Horizont des knallblauen Meeres waren ab und zu rundliche Objekte und kleine Fontänen zu sehen – Wale, die jährlich zur Blüte des Ningaloo Reef nah an die Küste kommen. Das Ningaloo Reef ist das größte Küstenriff der Welt, mit bloßem Auge vom Strand aus zu erkennen. Wenn man die Landzunge nach Exmouth bis zum äußersten Norden durchfährt und anschließend küstennah wieder gen Süden abbiegt erreicht man den berühmten Cape Range Nationalpark. Hier gibt es unzählige Traumstrände und buchten, die zum Schnorcheln einladen. Ich war ein wenig unentschlossen, da Zeit und Geld langsam knapp wurden und die Campingplätze des Nationalparks voll waren. Schließlich investierte ich ein halbes Vermögen in einen schönen Campingplatz für die Nacht direkt vor dem Park, wo ich wieder mal das belgische Pärchen traf, die mich zu verfolgen schienen. Frisch geduscht, mit sauberer Wäsche und aufgeladener Elektronik kaufte ich mir schließlich ein Tagesticket für den Park und besuchte zunächst die bekannte Turquoise Bay. Es war Flut, sodass das Riff einige Meter weit draußen war. Ich schnappte mir mein billiges Schnorchelset, welches ich auf Ko Tao erworben hatte und seitdem in meinem Rucksack vergraben war. In der Turquoise Bay kann man sich von der Meeresströmung über das Riff treiben lassen, sollte jedoch ab einem bestimmten Punkt wieder gen Küste schwimmen, wenn man nicht als Ken im Puppenhaus irgendeines Wales im indischen Ozean enden möchte.

Voll im Trend
Meine Knie sind noch trocken, als mir die ersten Fische an den Beinen vorbei schwimmen. Unterwasser taucht man dann in eine komplett andere Welt ein. Das Riff ist wenige Meter unter mir und ich weiß ich gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Auf den schwarz-weiß gestreiften Fisch mit der eleganten Flosse? Auf den lila-grünen Fisch mit den lustigen Glubschaugen, der aus irgendeinem Grund nur mit den Seitenflossen schwimmt? Auf das merkwürdige Unterwassergehirn rechts von mir? Auf das Wasser, welches langsam in meine billige Taucherbrille läuft und in der Nase kitzelt? Schnaufend und erschöpft erreiche ich wieder die Küste. Wasser ist einfach nicht mein Element, wie Julius immer so schön gesagt hat. Ich machte noch einige atemberaubende Schnorchelsessions, wobei ich stets neue Dinge entdeckte. Einmal hat mir ein kleiner schwarzer Fisch in die Wade gebissen. Ein wirkliches Highlight blieb jedoch aus – Mit etwas Glück sieht man am Ningaloo Reef auch einen scheuen Riffhai, einen Mantarochen oder eine Schildkröte. Meine Kamera nahm ich nur einmal ganz kurz mit ins Wasser, da sie ja schon einen Knacks weg hatte und ich mit ihr nicht wirklich voran kam.


Auf dem Rückweg traf ich mal wieder die Belgier. Sie empfahlen mir Oyster Stack weiter im Süden, wo sie einen Hai gesehen hätten. Ja ja, ein Hai, ist klar. Ich entschied mich dennoch, dort vorbei zu schauen und wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil, Oyster Stack war der Wahnsinn! Das Riff beginnt direkt, wenn man ins Wasser geht und befindet sich nur einen knappen Meter unter der Wasseroberfläche. Die Artenvielfalt war beeindruckend. Der Hai zeigte sich nicht, jedoch sah ich Fische in allen Formen und Farben, große blaue Seesterne, etliche Seegurken, komische Stachelviecher und und und. 
Ich war etwa 30 Meter von der Küste entfernt und wollte eigentlich gerade wieder an Land schwimmen, als ich dermaßen Grinsen musste, dass mir Salzwasser in die Brille lief - Ein paar Meter vor mir schwamm doch tatsächliche eine Schildkröte! Ich besuchte das ästhetische Tier, welches sich überhaupt nicht von mir stören ließ. Wir cruisten einige Miuten zusammen über das Riff und ich konnte die Schildkröte sogar anfassen, was mit ein paar kräftigen Schimmbewegungen und einem skeptischen Blick entgegnet wurde. Irgendwann tauchte ich wieder auf und musste feststellen, dass ich ganz schön weit von der Küste entfernt war. Auf dem Rückweg musste ich höllisch aufpassen nicht das Riff zu berühren, welches aufgrund des niedrigen Wasserstandes nun teils fast an der Wasseroberfläche war. Glücklich packte ich meine Sachen und machte mich wieder auf den Weg. Erst in der Abenddämmerung verließ ich Exmouth gen Süden. Der Cape Range Nationalpark ist auf jeden Fall einen Besuch wert und ein Muss, wenn man die Westküste bereist.

Auf einem Rastplatz traf ich Julie und Roger aus Adelaide wieder. Die beiden netten Rentner reisen für einige Wochen mit ihrem faltbaren Wohnanhänger durchs Land. Ich hatte sie bereits bei Port Hedland getroffen. Wir kamen ins Gespräch und schließlich verbrachte ich den ganzen Abend in ihrem rollenden Zuhause, wo ich mit Tee und allerlei gekühlten Leckereien verwöhnt wurde und wir uns angeregt unterhielten. Wir verstanden uns super und ich wurde sogar eingeladen, Weihnachten bei ihnen in Adelaide zu verbringen. In Deutschland undenkbar, doch Australier sind einfach viel aufgeschlossener und gastfreundlicher als die Menschen daheim. Ich werde sie auf jeden Fall besuchen, falls ich noch einmal durch Adelaide reisen sollte.

Alles Roger im Klappanhänger
Mein Ziel hieß Carnarvon. Hier sollte es laut National Harvest Guide und laut dem, was ich so gehört habe Arbeit geben, die für eine Visumsverlängerung zählt. Auf dem Weg dorthin passierte ich den südlichen Wendekreis (tropic of capricorn), der sich momentan jährlich um 14,4m nach Norden verschiebt. Ich habe also gerade offiziel die Tropenzone verlassen, als ich mal wiedermal Schild am Straßenrand sah: „Manberry St 14“. Spontan entschied ich mich mal wieder mein Glück zu versuchen, drehte um und fuhr die Sandpiste in die Wüste hinein. Ich kam problemlos vorwärts, da der Besitzer offenbar groben Kies auf die sonst kniffligen Sanddünen gekippt hatte. Irgendwann stand ich vor einem verschlossenen Eisentor. Egal, was habe ich schon zu verlieren? Ich öffnete es und fuhr weiter – bis zum nächsten Tor. Auch dort frimelte ich die massive Kette ab und fuhr weiter. Wenig später stand ich vor einem dritten Tor. Shits gettin' serious! Ich passierte es und erreichte schließlich eine kleine Farm, wo ich zunächst zwei kopflose Kühe in einer Scheune am Gabelstapler hängen sah. Wo bin ich denn hier gelandet? 
Ich kam ins Gespräch mit David, dem Besitzer der Station. Es ist eine für australische Verhältnisse kleine Viehzucht – lediglich 211.000ha umfasst das Gelände. Winzig, oder? David schmeißt den Laden alleine, hatte jedoch gerade einen Freund zu Besuch, der bald heiraten wollte. Dafür bräuchten sie noch Fleisch, weshalb sie eine Kuh erschossen hätten. Da David gerne Fleisch isst hat er gleich noch eine Zweite erschossen und dazu gehängt – wenn man eh schon mal dabei ist! Wir unterhielten uns ein wenig und ich wurde auf einen Tee eingeladen. Eigentlich suche er nur Leute zum Wwoofen, doch er könne mir neben Essen und Unterkunft auch 100 Dollar am Tag anbieten. Das ist nicht wirklich viel Geld, doch für den Anfang nicht schlecht. 

Farmhaus Manberry Station

Mein Wohncontainer
Im Farmhaus 1
Im Farmhaus 2
Es war schon recht spät, weshalb David und sein Freund die Monobraue Cyne sich wieder aufrafften. „Wanna help to rip off that cows? Hahhhaaah!“ Ich konnte natürlich schlecht nein sagen und hatte wenig später ein großes Messer in der rechten Hand, den glibbrigen Kuhpelz in der linken Hand. Ich habe also eine Kuh geschält – kann auch nicht jeder von sich behaupten! Anschließend hat Cyne die Motorsäge ausgepackt und begann, das Vieh zu vierteln. David und ich mussten dabei die Rippen auseinander ziehen. Cyne sägte schief und kam auf unsere Seite der Kuh, um hineinschauen zu können. Dabei stellte er die Motorsäge natürlich nicht ab, welche fleißig weiterlaufend Kuhstückchen über meine Klamotten spuckte. Anschließend mussten wir die Kuhviertel auf den Truck tragen. Ich weiß nicht wie schwer sie waren, aber eine viertel Kuh kommt definitiv an die Grenzen von dem, was ich heben kann – ich schaffte es jedoch gerade so, ohne sie in den roten Staub zu werfen. 

Heute schon ne Kuh geschält?

Voller Kuhgespladder aber überglücklich fuhr ich wenig später wieder vom Hof. Ich habe einen Job! Die Situation ist für mich optimal – Ich muss nicht in den noch kalten Süden reisen, kann meinen illegalen Wagen auf einem Privatgrundstück parken, sorge für eine Verlängerung meines Visums und mache Erfahrungen, für die ich hierher gekommen bin. Lediglich die Bezahlung könnte besser sein und ein wenig Gesellschaft wäre nicht schlecht, aber auch das sollte sich langfristig ändern. In den letzten Tagen war ich zunächst noch als Wwoofer auf der Farm, ab morgen beginnt dann die bezahlte Arbeit. Bereits in den ersten Tagen habe ich unzählige Eindrücke gesammelt. Das Farmleben in Australien ist nicht mit dem Leben auf einem Bauernhof in Deutschland vergleichbar, soviel sei verraten! Die Wochenenden habe ich immer frei, um zum Einkaufen nach Carnarvon oder zum berühmten Strand nach Coral Bay fahren zu können. Unter der Woche bin ich jedenfalls von nun an mitten im Busch und nicht erreichbar – nur am Wochenende vielleicht, je nachdem wo ich dann hinfahre. Wenn ich das nächste mal Empfang habe werde ich euch von meinem Alltag als Cowboy auf der Manberry Station berichten! Bis bald und vergesst mich nicht,

Flo